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DIY Highspeed Fotografie

Kinder im Highspeed Fotografie Workshop

Ziel von Bits-N-Kids ist es, Kindern- und Jugendlichen komplexe Technologien spielerisch zu vermitteln und gleichzeitig digitale Kreativität zu fördern. Wir setzen dabei auf Geräte und Technologien, die die Teilnehmer auch zuhause vorfinden. So können sie das Gelernte nach unseren Workshops selbständig in eigenen Experimenten vertiefen.

Digitale Hochgeschwindigkeitsfotografie, das klingt zunächst nach kompliziertem Aufbau und teurer Profiausrüstung. Im Workshop „DIY Highspeed Fotografie mit Arduino“ – der übrigens zu den Gewinnern des Code Week Awards 2016 gehört – zeigen Mark und ich den 12 bis 15-jährigen Teilnehmern, dass es auch ganz anders geht.

Das sechsstündige Workshop-Programm basiert vor allem auf praktischen Übungen. Selbst theoretische Prinzipien werden immer an praktischen Beispielen und Übungen vermittelt. Was zum Beispiel mit der „Verschlusszeit“ gemeint ist, erfahren die Kinder, indem sie in das Innere einer Spiegelreflexkamera blicken, den Auslöseknopf betätigen und dem auf- und zuklappenden Spiegel zusehen. Aus den Beobachtungen folgern sie richtig: schnelle Bewegungen fotografiert man am besten mit einer kurzen Verschlusszeit.

Was aber, wenn trotz kürzestmöglicher Verschlusszeit der Wasserspritzer nicht scharf eingefangen werden kann?

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Bits-N-Kids Workshop: Digitale Highspeed Fotografie mit Arduino

Digitale Highspeed Fotografie

Wer einen zerplatzenden Wasserballon gestochen scharf fotografieren will, hat dafür genau eine Zehntausendstelsekunde Zeit. Was zunächst unmöglich klingt, macht die digitale Highspeed Fotografie möglich. Wie das genau funktioniert und welche tollen Bilder dabei entstehen, zeigen wir in unserem Workshop. In kleinen Gruppen lernen Kinder ab 12 Jahren hier die „Digitale Highspeed Fotografie mit Arduino“ kennen.

Am Ende des Workshops kennen die Kinder nicht nur die Grundlagen der Fototechnik und der Arduino Programmierung, sie nehmen auch selbst gemachte, beeindruckende Highspeed-Fotos als Erinnerung mit nach Hause und haben vielleicht sogar ein paar neue Freundschaften geschlossen. Nun brauchen sie nur noch ein Blitzgerät für 3 Euro vom Flohmarkt, eine handelsübliche Digicam und einen Arduino Microcontroller für rund 25 Euro. Und ein bisschen Kreativität. Damit haben sie schon alles, um nach dem Workshop zuhause neue Technologie-Experimente zu starten, in denen sie die anfassbare Welt mit der Digitalen verbinden.

Nähere Infos zum Workshop und zur Anmeldung gibt es hier.

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Vollkommen undigitales Erlernen von Hypertext. Eine Unterrichtsmethode.

hypertext

Relativ spontan entstand letztens diese kleine Unterrichtsmethode, um Basiswissen für die Orientierung in Digitalien schon ab der Grundschule zu üben – vollkommen undigital und ohne auch nur einen einzigen Computer.
Die Methode eignet sich als Ergänzung am Ende einer Projektarbeit, wenn die Ergebnisse zB in Form einer Wandzeitung den Mitschülerinnen und -schülern präsentiert werden soll. Der Zeitaufwand ist gering.

Sie ist skalierbar – mindestens sollten 4 Gruppen in einer Klasse ihre Arbeit vorstellen, maximal kann die Arbeit einer ganzen Schule zB am Ende einer Projektwoche so ergänzt werden.

Hintergrund:
Hypertext ist die Grundlage des World Wide Web. Erst die Technik des Hyperlinks in einem Browser machte aus dem Internet das WWW.
Durch die Möglichkeit, jeden beliebigen Begriff, jedes Wort eines Textes mit jedem beliebigen Dokument an einer anderen Stelle zu verlinken, ändert sich aber auch unser Leseverhalten: Bei jedem Link müssen wir entscheiden, ob wir das eigentlich gerade gelesene Dokument verlassen und dem Link folgen oder evtl. eine Technik (z.B. Bookmark setzen, Link in neuem Tab im Hintergrund öffnen) nutzen, uns den Link zu merken und im ersten Text weiter zu lesen.
Im schlechtesten Fall folgen wir sofort jedem Link und wissen am Ende weder wo wir angefangen haben noch warum – und sind frustriert.
Im besten Fall haben wir fundiert und mit diversen Quellen belegt etwas Neues gelernt.

Damit das gelingt, bedarf es aber neben neben diesen neuen Lesetechniken auch auf der Seite der Autoren erhöhter Sorgfalt beim Erstellen der Hypertexte.
Zum Beispiel kann es eine Rolle spielen, ob Links sofort im Text oder erst jeweils am Ende eines Absatzes oder sogar erst am Ende des Textes gesetzt werden. Auch die Wortwahl ist wichtig.

Im thematisch klar begrenzten Umfeld einer Projektarbeit können die Schülerinnen und Schüler sowohl das Schreiben von Hypertext als auch notwendige neue Leseverfahren üben und ihre Erfahrungen austauschen.

Neben der thematischen Reflexion der Projektarbeit ist es es hilfreich, wenn auch die Erfahrungen mit der Präsentation – also das Lesen der Texte noch einmal besprochen werden.

Material:

  • Mehrere Knäuel Wolle
  • Pinnwandnadeln
  • pro Schülerin oder Schüler viele transparente Klebestreifen („buntes Tesa“)
  • pro Schülerin oder Schüler 2 kleine Post-Its

Ablauf:
Die Schülerinnen und Schüler halten die Ergebnisse ihrer Arbeit auf großen Plakaten fest, vergleichbar einer üblichen Wandzeitung.
Es ist gut, wenn die Plakate auf Styropor oder Kork hängen, so dass man Nadeln hineinstechen kann.

Dann suchen die Schülerin oder Schüler in ihrem Text Anknüpfungspunkte an die Ergebnisse der anderen und spannen Fäden vom Begriff zur Textstelle im anderen Ergebnis.
Zum Schluss lesen die Kinder alle Texte noch einmal und können dabei den Links (=Fäden) folgen und so ihre eigene Arbeit im neu entstandenen Gesamtzusammenhang einordnen. Sie markieren, wo sie Fäden gefolgt sind oder setzen sich Markierungen, wenn sie etwas später lesen möchten.

Beispiel:
Fäden spannen („Links setzen“):
Gruppenarbeit zum Thema „meine Stadt“

  • Gruppe 1: Geschichte meiner Stadt
  • Gruppe 2: Industrie in meiner Stadt
  • Gruppe 3: Bevölkerung und Religionen in meiner Stadt
  • Gruppe 4: Kultur in meiner Stadt

Gruppe 1 weiß vom eigenen Plakat, dass für die Entwicklung der Stadt wichtig war, dass der Erzbischof XY 1680 der Stadt die Bürgerrechte verlieh und spannt einen Faden zur Gruppe 3 (Religion) wo der Bischof vorgestellt wird.

Gruppe 2 weiß vom eigenen Plakat, dass sich 1880 viel Industrie ansiedelte und 1975 viel Industrie abwanderte und spannt zwei Fäden zu Gruppe 1 (Geschichte / Bevölkerungsentwicklung) und einen Faden zu Gruppe 3 (Gastarbeiter kamen)

Gruppe 3 spannt Fäden zurück von der Bevölkerungsexplosion 1880/1890 zur Industrie bei Gruppe 2 sowie zur Kultur bei Gruppe 4, die durch die Gastarbeiter vielfältiger geworden ist.
Und so weiter.

Lesen:
Die Schülerin oder Schüler beginnen bei einem beliebigen Text. Folgen Sie einem Faden, markieren sie die Stelle an der der Faden startet (den „Link“) mit einem Klebestreifen mit ihrem Namen – so kann man später zusätzlich sehen, welche Links interessant und welche unspannend waren.
Stellen die Kinder fest, dass sie den Link zwar interessant finden, aber lieber erst im Text bleiben möchten, können sie stattdessen ein Bookmark setzen (= ein PostIt an den Link kleben). Die Beschränkung auf 2-4 Post-Its vermeidet dabei, dass alle Links gebookmarked werden.

Reflexion:
Nach der thematischen Reflexion schauen sich alle zusammen an, welche Links interessant waren und welche nicht. Man kann besprechen, warum das so sein könnte und ob sich z.B. durch andere Linkformen daran etwas ändern ließe.
Quasi als Sahnehäubchen obendrauf kann durch die Anzahl der Fäden leicht erkannt werden, welche Themen offensichtlich wichtig waren – was oft verlinkt ist, muss eine Bedeutung für das Gesamtthema haben. So hat die Beschäftigung mit Hypertext auch noch einen thematischen Nutzen für die eigentliche Unterrichtsreihe.

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Interview: Expertengruppen in der Grundschule (III)

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Endlich kommt jetzt auch der dritte Teil des Interviews zu den Expertengruppen in der Grundschule.
Wer die ersten Teile gelesen hat und dazu noch weiß, wie die Sommerferien in NRW liegen, der weiß auch, warum es etwas länger gedauert hat: Zuerst gerieten die Expertenarbeiten in die heiße Phase und dann waren eben: Ferien.
Hier gehts zu Teil eins und Teil zwei.

Zuerst einmal: Schön, dass Du noch einmal dabei bist. Hat alles geklappt mit den letzten Arbeiten?
Fast, ja. Dieses Jahr hatten wir ein bisschen Pech bei den Präsentationen: Zwei Kinder waren zum Präsentationstermin krank. Aber das passiert halt.

Wenn ich alles richtig verstanden habe, dann sollte man jetzt die Präsentationen im Web ansehen können. Richtig?
Ja, die Filme sind auf der Website unserer Schule zu sehen.

… dann werde ich doch gleich mal gucken. Aber wir wollten ja noch einmal speziell auf die Arbeit mit GoogleDocs kommen. Du sagtest, die wäre so auffallend toll gewesen – wieso?
Da gab es mehrere Gründe. Zum einen ist die Textverarbeitung da ja gegenüber den installierten Office-Programmen etwas eingeschränkter. Es gab also weniger Ablenkung durch ClipArts, vermeintlich lustige Schriften oder ähnliches. Hauptsächlich aber deswegen:
Wir hatten lange überlegt, ob wir jedem Kind einen eigenen Account anlegen oder einen gemeinsamen nutzen wollten. Beides hatte seine Vor- und Nachteile. Wir haben uns dann dafür entscheiden, alle zusammen einen Account zu benutzen, den ich in der Woche vor dem ersten Treffen angelegt habe.
Es gab für jedes Kind einen Ordner, in dem es seine Vorlage fand und einen zum Sammeln von Bildern und Texten, die nicht direkt in der Arbeit landen sollten – soweit halt sehr vergleichbar mit den USB-Sticks, die die Kinder sonst benutzt haben.
Aber durch den gemeinsamen Account konnten alle – was vorher gar nicht so sehr so geplant war – ja auch bei den anderen in die Arbeiten reinschauen.
Wir haben das vorher besprochen – aber eher so in dem Sinne, dass sie nicht bei den anderen einfach reinschreiben oder löschen dürften …

… wobei da der Bearbeitungsverlauf ja auch noch einmal Sicherheit bietet …
… ja, aber davon habe ich den Kindern gar nichts erzählt. Ich finde, das ist auch etwas, was Kinder in dem Zusammenhang lernen können: Lass die Daten der anderen in Ruhe. Das kann man ja auch nicht früh genug lernen. Und in dem Umfeld, wo alle sich quasi die Ablage teilen ist das auch sehr einfach zu vermitteln.

Was dann aber passierte und was etwas unerwartet aber wunderschön war: Ganz schnell entdeckten die ersten, dass man in den Ordner eines anderen Kindes auch Dokumente hinein-speichern konnte. Und das haben sie dann genutzt, um sich Briefe zu schreiben. Sie haben sich gebeten, ihre Arbeiten gegenseitig zu lesen oder sie haben sich um Rat gefragt, wenn sie mal irgendwo nicht weiter kamen.

Gerade heute im Web sind ja viele Werkzeuge darauf ausgelegt, zusammen an etwas zu arbeiten und genau das ist hier, ohne dass ich extra darauf hingewiesen oder es gesteuert hätte, passiert.

Das sind dann, wenn ich mich richtig erinnere, ja Fähigkeiten, die im normalen Unterricht eher seltener gefordert werden, oder?
Jein. Wir arbeiten ja schon in vielen verschiedenen Formen, von der Einzelarbeit über Partner- und Gruppenarbeit bis hin zu Stationen oder Freiarbeit. Und da gibt es überall auch immer wieder Momente, wo Zusammenarbeit gefordert ist und wo sich die Schülerinnen und Schüler gegenseitig Rückmeldungen geben und zusammen Ergebnisse erarbeiten.
Aber es war eben sehr schön zu sehen, dass sie in dem Moment als sie die Werkzeuge und Möglichkeiten dazu vorfanden sofort auch eingefordert haben, mit den anderen zusammen zu arbeiten.

Wie gesagt: Selbst ich, die ich ja nicht in einem Bürojob oder mit sehr vielen ständig wechselnden Projekten arbeite bin ständig darauf angewiesen, mit anderen Daten oder allgemeiner: Wissen auszutauschen und zusammen Dinge zu erarbeiten. In anderen Jobs ist das ja noch viel ausgeprägter und deswegen war ich so froh, dass die Expertenarbeiten auch hier neben dem reinen Fachwissen schon früh die nötigen Kompetenzen vermitteln können.

Fassen wir zusammen: Die Kinder kommen zusammen, um eine Facharbeit über ein Thema zu schreiben und haben am Ende eine Menge digitaler Kompetenzen gelernt?
Wenn Du so willst, ja. Sie lernen, ein Thema zu überblicken und mit Hilfe geeigneter Software zu strukturieren, sie lernen mit Office-Software größere Dokumente zu erstellen.
Wir streifen Internet-Recherche und das Bewerten von Quellen. Dann wird eine Präsentation erstellt und vor Publikum gehalten.
Und – wie gesagt – im Idealfall praktizieren wir ganz nebenbei auch noch kollaboratives Arbeiten am Rechner.
Ich denke, das sind eine ganze Menge an Techniken auch rund um den PC, die im heutigen Berufsumfeld alle sehr selbstverständlich gefordert werden und die so ebenso selbstverständlich beim Arbeiten an einem Fachthema in den Unterricht integriert werden können.

Ja, dann danke ich Dir sehr für Deine Zeit und dafür, dass Du uns so ausführlich erzählt hast. Du hast irgendwann auch angedeutet, Du würdest gerade einen Raum in Deiner Schule konzeptionieren, in dem ähnliches Arbeiten möglich sein soll. Darf ich mir den einmal ansehen, wenn er fertig ist?
Aber gerne!

Die anderen Teile des Interviews: Teil 1 | Teil 2

Anmerkung: Steffi ist nicht nur Lehrerin, sondern auch meine Frau. Und an der Konzeption der passenden Software-Konstellation war ich nicht unbeteiligt.

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Autonomie im Internet: Vertrauen ist gut, Kontrolle unmöglich.

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Wie kann man sein Kind zu einem weltoffenen und selbständigen Menschen erziehen, ohne dabei die Kontrolle zu verlieren? Eine Frage, an der bereits die analogen Elterngenerationen ordentlich zu kauen hatten. Doch auch wenn eine totale Kontrolle (zum Schutz des Kindes, versteht sich!) wohl stets nicht mehr als ein frommer Wunsch der Eltern war, war doch zumindest klar und mehr oder weniger steuerbar, in welchen Grenzen sich der in Kauf genommene Kontrollverlust bewegen durfte. Die erste Zigarette im Maisfeld, der erste Vollrausch mit süßem Fusel und die verschämte Lektüre von Klaus Kinskis „Ich bin so wild nach Deinem Erdbeermund“ unter der Bettdecke. Vielleicht noch ein bisschen mehr, vielleicht noch ein bisschen wilder. Aber alles irgendwo mit dem eigenen Erfahrungshorizont der Eltern zu (be)greifen.

Als das Internet über uns hinein gebrochen ist, hat sich das schlagartig geändert. Denn das Netz beinhaltet neben allem, was man sich so vorstellen kann auch das, was man sich vorher nicht vorstellen konnte oder wollte. Unbegrenzte Möglichkeiten, unbegrenzte Gefahren – und das alles bei – unterm Strich – begrenzten Kontrollmechanismen. Denn während die heutigen Kinder quasi ins Internet hinein geboren wurden und sich dort pfeilschnell und zielgenau zu bewegen wissen, manövrieren die Eltern im digitalen Neuland oft ungelenk und tapsig herum. Viele von ihnen in der bangen (und möglicherweise gar nicht so verkehrten) Annahme, dass bereits hinter dem nächsten Link das unsagbare Böse lauern könnte. Ein Böses gar, dass sich nicht mit den in der analogen Welt erlernten Mitteln so einfach niederstrecken lässt. Die Eltern fühlen sich zunehmend hilflos, der Kontrollverlust ist kein vages Gefühl mehr, er ist zur unumstößlichen Tatsache herangewachsen. Für viele wurde das Internet zum Angstgegner, vor dem es die Kinder um jeden Preis zu schützen gilt. Aber wie?

Natürlich kennt man auch im Internet-Zeitalter Kontrollmechanismen, die den Eltern vermeintliche Sicherheit und einen ruhigen Schlaf versprechen. Da gibt es spezielle Kinderbrowser, die die Kinder von bösen Inhalten fern halten wollen, eigens für Kinder elaborierte Inhalte, die die Aufmerksamkeit des Nachwuchses in einen sicheren Hafen umleiten sollen und natürlich allerlei Tipps und Tricks, wie die Eltern die Gefahren des Internets identifizieren und für ihre Kinder minimieren können. Diese Angebote sind gut und wichtig, aber sie lösen das eigentliche Problem nicht.

Denn während sich der Aktionsradius analoger Generationen vielleicht noch halbwegs kontrollieren ließ, ist die digitale Welt uferlos, nicht zu packen und schon gar nicht zu kontrollieren. Eltern, die den heimischen Computer wegsperren, sobald ihre Kinder in die Nähe kommen und die sich mit Nachdruck weigern, ihr Kind mit Smartphone oder Tablet auszustatten, können sich sicher sein, dass es im unmittelbaren Umfeld ihrer Kinder genügend andere Kinder gibt, die – sei es aus Haltung oder aus Gleichgültigkeit – entweder von Haus aus „sperrenfrei“ aufwachsen oder sehr gut wissen, wie man diese Sperren umgehen kann. Auch wir hatten es damals schließlich raus, uns durch den Verbots- und Vorschriftendschungel zu schlawinern, ohne dass unsere Eltern davon je Wind bekommen hätten. Und die Kinder- und Jugendlichen heute sind darin sicher nicht weniger gewieft als wir es waren.

Erst vor Kurzem erzählte mir eine befreundete Mutter, dass in der Schule ihrer gerade 12-jährige Tochter auf einem Smartphone Pornos und Tierquälerfilme aufgetaucht sind. Diese wurden auch von Kindern gesehen, die selbst gar kein Smartphone besitzen. Daraus ein Smartphone-Verbot an Schulen abzuleiten, klingt zunächst plausibel, ist aber wohl doch zu kurz gedacht. Und auch der Versuch, wenigstens das eigene Kind nicht in die Nähe dieses Teufelszeugs zu lassen, schafft für das Kind möglicherweise mehr Probleme als Lösungen. Die Lebensrealität der heutigen Generation zeigt, dass schon Kinder sich die Vorteile digitaler Lösungen zu nutzen machen – Lern- und Hausaufgabengruppen via Whatsapp sind nur ein Zeichen dafür. Und wer nicht drin ist, ist draußen – ganz so wie im echten Leben.

Verbote und Sperren können gegen die Untiefen der digitalen Welt also nur punktuell etwas ausrichten. Und sie führen im Zweifel auch nur dazu, dass dem Kind die Augen vor der Realität verschlossen werden und in letzter Instanz auch dazu, dass es vielleicht nicht zu einem mündigen digitalen Bürger heranwächst. Wer sein Kind im digitalen Umfeld wirklich schützen will, der muss meiner Meinung nach heute bereit sein, ein Mindestmaß an digitaler Autonomie zuzulassen. Kinder sollten den selbstverständlichen Umgang mit digitalen Medien erlernen, statt von ihnen ferngehalten zu werden. Sie sollten darauf vorbereitet sein, was ihnen im Internet so alles begegnen kann und offen darüber reden können, wenn ihnen etwas Schlechtes begegnet. Sie sollten wissen, wie sie sich selbst und andere vor unerwünschten Inhalten schützen können. Sie sollte lernen ihre Privatsphäre zu schützen und respektvoll mit der Privatsphäre anderer umzugehen. Und sie sollten möglichst alles erlernen, was ihnen im Internet von praktischem Nutzen sein kann. So z.B. auch wie sie dort analoge und digitale Güter erwerben können und welche Zahlungsmittel sie dafür sinnvollerweise nutzen können.

Kinder sollten für Gefahren sensibilisiert werden, aber gleichsam auch erfahren, welchen Chancen ihnen die digitale Welt bieten kann. Sie sollten lernen, die Klaviatur der digitalen Welt zu beherrschen, statt von ihr beherrscht zu werden. Und sie sollten lernen, wann es Zeit ist, den Stecker zu ziehen und einen Spaziergang im Park zu unternehmen. Und wenn die Eltern bereit sind, all dies zusammen mit ihren Kindern zu erfahren und zu erlernen, dann bedeutet die Akzeptanz der Autonomie, die die digitale Welt in sich trägt, nicht unbedingt einen Kontrollverlust auf Seiten der Eltern. Sie bedeutet lediglich Kontrolle durch Kompetenz statt durch Verbote.

In der Beitragsreihe „Bits, Kids & Knete“ (unterstützt von paysafecard) gehen wir u.a. auf die Möglichkeiten (fast) spurenloser Bezahlung im Netz, das Thema „Online Games – Fluch oder Segen für Familien?“ und die Digitalisierung des Taschengeldes ein.

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Mini Holzauto mit Digital-Tuning

Crazy Racing Car

Es ist gut und gerne 20 Jahre her, seit ich das letzte Mal Hobel und Säge in den Händen hielt. Letzte Woche war es mal wieder so weit. Im Rahmen meines Studiums zum Medienpädagogen standen an der Akademie Remscheid zwei Tage Werkpädagogik bei Roland Oesker auf dem Lehrplan.

Mit der Hilfe und Anleitung des geduldigen Instruktors bastelten wir Crazy Racing Cars. Das sind kleine Fahrzeuge aus Holz, die dank einer Batterie vorwärts fahren können. Mehr nicht. Die eigentliche Herausforderung liegt darin, das Fahrzeug so zu konstruieren, dass es am Ende einen Parcour mit Hindernissen bewältigen kann. Da ist Kreativität gefragt. Denn das gelingt nur mit ausgeklügelten Stoßdämpferkonstruktionen.

Weil uns im Kurs ein großer Materialvorrat zur Verfügung stand, blieb es bei den meisten nicht dabei, das Auto für den Rundkurs fit zu machen. Wir möbelten die Karren nach eigenen Vorlieben auf. Es entstanden Überrollbügel, flexible Achsen, bunte Verzierungen und in meinem Fall eine Halterung für mein iPhone, das während der Fahrt das Kamerabild auf eine Apple Watch übermittelt.

Roland Oesker zeigte uns in einem intensiven, aber durch und durch bereichernden Kurs, das Werkpädagogik auch im digitalen Zeitalter funktioniert.

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Im Netz der Spiele

Kind spiel SeilhüpfenKostenlose Onlinespiele erfreuen sich bei Kindern großer Beliebtheit. Die Auswahl an Browser- und Casual Games scheint inzwischen schier unendlich zu sein. Das macht es für Eltern und Kinder nicht gerade einfach, im vielfältigen Angebot die wirklich kindgerechten Spiele aufzuspüren. Hilfestellung gibt es z.B. auf der Plattform Surfen:ohne:Risiko des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Hier können sich Eltern z.B. darüber informieren, welche Kriterien sie bei der Suche nach Online-Spielen für ihre Kinder beachten sollten, welche Arten von Spielen es gibt und wie sie die kindliche Entwicklung beeinflussen und aber auch, wo sie eine großes Auswahl an sicheren Spielen finden können. Die Internetsuchmaschine „Blinde Kuh“ für Kinder, listet derzeit rund 1800 solcher sicheren und geprüften Spiele. Da es für Online-Spiele anders als für Filme keine Alterskennzeichnung gibt, müssen die Eltern leider selbst herausfinden, ob ein bestimmtes Spiel für ihr Kind schon geeignet ist oder ob sie damit vielleicht noch ein bisschen Warten sollten. Auf dem Portal Schau hin!* gibt es glücklicherweise eine Datenbank mit pädagogischen Spielebeurteilungen zu rund 300 Spielen.

Neben dem Jugendschutzaspekt ist es für Eltern natürlich auch wichtig im Auge zu behalten, ob innerhalb der ausgewählten Spiele Kosten entstehen. Zwar sind die meisten Online-Spiele zunächst mal kostenlos angelegt, doch lassen sich viele von ihnen durch kostenpflichtige Erweiterungen aufrüsten. Gegen Gebühr gibt es dann z.B. zusätzliche Szenarien, weitere Fähigkeiten, mehr Leben oder Ähnliches. Am Anfang ist es dem Kind vielleicht nicht so wichtig, auf die erweiterten Möglichkeiten zuzugreifen, aber wenn es erst mal ein Spiel für sich entdeckt hat, weil z.B. die Klassenkameraden dasselbe spielen, dann wird es gefühlt ohne Spezialfähigkeiten und Zusatzlevels nicht mehr auskommen. Eltern sollten ihren Kindern diesen Entscheidungsspielraum durchaus einräumen, wenn sie das Gefühl haben, dass diese nun alt genug dafür sind. Wann das ist, hängt natürlich sehr stark von der individuellen Entwicklung des Kindes ab. Natürlich geht es hierbei nicht darum, die Kinder im unbegrenzten Rahmen einkaufen zu lassen, sondern ihnen ein (kleines) Budget zur Verfügung zu stellen, über das sie verfügen können und das sich eben auch aufbraucht. Das ist wichtig, damit sie lernen, dass ihr Konsum auch in der virtuellen Welt nicht ohne Folgen für ihr Taschengeldkonto bleibt. Eine schlaue und sichere Art, ein solches Budget zur Verfügung zu stellen sind Prepaidkarten. Der Anbieter paysafecard führt z.B. auf seiner eigenen Seite schon zahlreiche Online-Games verschiedener Anbieter auf, die die paysafecard als Zahlungsmittel akzeptieren.

Auch wenn Online-Spiele für Kinder sicher nicht grundsätzlich verwerflich sind und es inzwischen sogar schon einige Angebote gibt, die sich vornehmlich dem spielerischen Lernen verschrieben haben, sollten Eltern nach wie vor dafür Sorge tragen, dass der Computer nur ein Teil einer möglichst abwechslungsreichen Freizeitgestaltung sein kann. Die Empfehlung lautet Grundschulkinder maximal eine halbe Stunde täglich mit dem Computer spielen zu lassen, bei Zehn- bis Dreizehnjährigen ist dann auch eine Stunde in Ordnung und auch bei älteren Kindern sollte eine Obergrenze von 90 Minuten nicht überschritten werden (Quelle: internet abc). Auch innerhalb dieser Grenzen kann es nicht schaden, regelmäßig (anhand von Tests) zu überprüfen, ob die Netzbegeisterung des Kindes noch im normalen Rahmen liegt oder ob eine Suchtgefährdung besteht.

*Eine gemeinsame Initiative von Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie vodafone, Das Erste, ZDF und TV Spielfilm.

In der Beitragsreihe „Bits, Kids & Knete“ (unterstützt von paysafecard) gehen wir u.a. auf die Möglichkeiten (fast) spurenloser Bezahlung im Netz, das Thema „Online Games – Fluch oder Segen für Familien?“ und die Digitalisierung des Taschengeldes ein.

Education is no longer about learning facts. Facts are at our fingertips at all times. Learning is now about quickly sourcing reliable information, creative problem solving, logical thinking, self-management and mental flexibility.

— Grant Hosford, CEO at CodeSpark in The Huffington Post

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Non scholae, sed vitae discimus

Digitalkompetenzvermittlung in der Schule

Nicht für die Schule sondern für das Leben lernen wir. Wie viele Generationen von Schülern wurden wohl bei der Frage nach der Sinnhaftigkeit des Lehrstoffes bereits mit dieser Antwort ruhig gestellt? Dabei scheint die Schere dessen, was gelehrt wird und was für das (Über)leben wirklich wichtig ist, in vielen Bereichen immer weiter auseinanderzuklaffen. So kann man den Schulen mit Recht vorwerfen, dass sie bei der Medienerziehung der Kinder ihre Hausaufgaben gar nicht oder nur lückenhaft gemacht haben. Wie sonst erklärt es sich, dass gut ein Drittel der deutschen Achtklässler heute beim Umgang mit Computern noch deutliche Schwächen hat.

In einer Welt, in der alle möglichen Arten von (elektronischen) Medien eine dominante und nicht mehr wegzudiskutierende Rolle eingenommen haben – ob er das für Fluch oder Segen halten will, muss freilich ein Jeder selbst entscheiden – erscheint eine solche Nachlässigkeit der Schulen im höchsten Maße skurril. Die Gründe sind für dieses Säumnis sind zahlreich und in den seltensten Fällen hieb- und stichfest.

Einige wenige Institutionen haben zwar das Ausmaß des Elends inzwischen erkannt und wachsen nun bei dem Versuch, das Versäumte nachzuholen, an manchen Stellen über sich hinaus (in Schleswig-Holstein wurden gerade erst zwölf Schulen als digitale Modellschulen ausgezeichnet), aber das bleiben viel zu seltene Ausnahmen. Die Annahme, dass den Erfordernissen der Digitalkompetenzvermittlung durch die flächendeckende Einführung von Programmierunterricht ausreichend Rechnung getragen wird, erfreut sich zwar zunehmender Popularität, geht an der Lebenswirklichkeit der Kinder aber auch meilenweit vorbei: Um sich in einer digitalisierten Welt frei, ohne Angst und im Bewusstsein der Chancen, die sie birgt, bewegen zu können, muss kein Kind programmieren lernen.

Weil die Schulen ihren Auftrag gar nicht oder bestenfalls falsch verstehen, bleibt der wirkliche mediale Erziehungsauftrag also an den Eltern hängen, von denen nicht wenige mit der Komplexität dieser Aufgabe arg zu kämpfen haben. Denn um die eigenen Kinder für einen Alltag im Kontext der digitalen Medienwelt fit zu machen, reicht der limitierte Erfahrungsschatz der Eltern in den seltensten Fällen aus. Zudem schürt nicht zuletzt die eigene Unerfahrenheit bei vielen digitalen Immigranten eine oft übertriebene Angst vor den Gefahren und Untiefen der digitalen Welt. Bei vielen Eltern mündet die Medienkompetenzerziehung aus dieser Angst heraus in Geboten, Verboten und – wo diese nicht mehr greifen – in Überwachungsmechanismen.

Die Kinder leben auf der anderen Seite des Angstäquators. Die weitaus meisten von ihnen dürften heute in der Lage sein, Computer, Smartphone, Tablet und Konsole im Schlaf zu bedienen. Schließlich sind sie als digital Eingeborene in diese Lebensrealität hineingewachsen. Und spätestens durch Farmville, Spotify, Netflix und Co sind ihnen digitale Güter genau so geläufig wie Analoge.

Die Hemmschwelle, alles auszuprobieren, was geht, ist entsprechend niedrig und steht den Ängsten der eigenen Eltern oft diametral gegenüber. Dabei ist es unglaublich wichtig, dass beide Seiten sich aufeinander zubewegen und Essentielles von einander lernen. Die Eltern von den Kindern ein gerüttelt Maß an Unbeschwertheit, Neugier und Entdeckungslust gegenüber den digitalen Medien, die Kinder von den Eltern ein Gespür dafür, wie sie sich in der digitalen Welt vorsichtiger und geschützter bewegen können, ohne dass das zu Lasten ihres Vergnügens gehen muss. Der bewusste Einsatz von die Privatsphäre schützendem, digitalem Taschengeld zum Erwerb von virtuellen Gütern ist da nur ein Beispiel, wie das auf sinnvolle Weise geschehen kann.

In der Beitragsreihe „Bits, Kids & Knete“ (unterstützt von paysafecard) gehen wir u.a. auf die Möglichkeiten (fast) spurenloser Bezahlung im Netz, das Thema „Online Games – Fluch oder Segen für Familien?“ und die Digitalisierung des Taschengeldes ein.