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Vollkommen undigitales Erlernen von Hypertext. Eine Unterrichtsmethode.

hypertext

Relativ spontan entstand letztens diese kleine Unterrichtsmethode, um Basiswissen für die Orientierung in Digitalien schon ab der Grundschule zu üben – vollkommen undigital und ohne auch nur einen einzigen Computer.
Die Methode eignet sich als Ergänzung am Ende einer Projektarbeit, wenn die Ergebnisse zB in Form einer Wandzeitung den Mitschülerinnen und -schülern präsentiert werden soll. Der Zeitaufwand ist gering.

Sie ist skalierbar – mindestens sollten 4 Gruppen in einer Klasse ihre Arbeit vorstellen, maximal kann die Arbeit einer ganzen Schule zB am Ende einer Projektwoche so ergänzt werden.

Hintergrund:
Hypertext ist die Grundlage des World Wide Web. Erst die Technik des Hyperlinks in einem Browser machte aus dem Internet das WWW.
Durch die Möglichkeit, jeden beliebigen Begriff, jedes Wort eines Textes mit jedem beliebigen Dokument an einer anderen Stelle zu verlinken, ändert sich aber auch unser Leseverhalten: Bei jedem Link müssen wir entscheiden, ob wir das eigentlich gerade gelesene Dokument verlassen und dem Link folgen oder evtl. eine Technik (z.B. Bookmark setzen, Link in neuem Tab im Hintergrund öffnen) nutzen, uns den Link zu merken und im ersten Text weiter zu lesen.
Im schlechtesten Fall folgen wir sofort jedem Link und wissen am Ende weder wo wir angefangen haben noch warum – und sind frustriert.
Im besten Fall haben wir fundiert und mit diversen Quellen belegt etwas Neues gelernt.

Damit das gelingt, bedarf es aber neben neben diesen neuen Lesetechniken auch auf der Seite der Autoren erhöhter Sorgfalt beim Erstellen der Hypertexte.
Zum Beispiel kann es eine Rolle spielen, ob Links sofort im Text oder erst jeweils am Ende eines Absatzes oder sogar erst am Ende des Textes gesetzt werden. Auch die Wortwahl ist wichtig.

Im thematisch klar begrenzten Umfeld einer Projektarbeit können die Schülerinnen und Schüler sowohl das Schreiben von Hypertext als auch notwendige neue Leseverfahren üben und ihre Erfahrungen austauschen.

Neben der thematischen Reflexion der Projektarbeit ist es es hilfreich, wenn auch die Erfahrungen mit der Präsentation – also das Lesen der Texte noch einmal besprochen werden.

Material:

  • Mehrere Knäuel Wolle
  • Pinnwandnadeln
  • pro Schülerin oder Schüler viele transparente Klebestreifen („buntes Tesa“)
  • pro Schülerin oder Schüler 2 kleine Post-Its

Ablauf:
Die Schülerinnen und Schüler halten die Ergebnisse ihrer Arbeit auf großen Plakaten fest, vergleichbar einer üblichen Wandzeitung.
Es ist gut, wenn die Plakate auf Styropor oder Kork hängen, so dass man Nadeln hineinstechen kann.

Dann suchen die Schülerin oder Schüler in ihrem Text Anknüpfungspunkte an die Ergebnisse der anderen und spannen Fäden vom Begriff zur Textstelle im anderen Ergebnis.
Zum Schluss lesen die Kinder alle Texte noch einmal und können dabei den Links (=Fäden) folgen und so ihre eigene Arbeit im neu entstandenen Gesamtzusammenhang einordnen. Sie markieren, wo sie Fäden gefolgt sind oder setzen sich Markierungen, wenn sie etwas später lesen möchten.

Beispiel:
Fäden spannen („Links setzen“):
Gruppenarbeit zum Thema „meine Stadt“

  • Gruppe 1: Geschichte meiner Stadt
  • Gruppe 2: Industrie in meiner Stadt
  • Gruppe 3: Bevölkerung und Religionen in meiner Stadt
  • Gruppe 4: Kultur in meiner Stadt

Gruppe 1 weiß vom eigenen Plakat, dass für die Entwicklung der Stadt wichtig war, dass der Erzbischof XY 1680 der Stadt die Bürgerrechte verlieh und spannt einen Faden zur Gruppe 3 (Religion) wo der Bischof vorgestellt wird.

Gruppe 2 weiß vom eigenen Plakat, dass sich 1880 viel Industrie ansiedelte und 1975 viel Industrie abwanderte und spannt zwei Fäden zu Gruppe 1 (Geschichte / Bevölkerungsentwicklung) und einen Faden zu Gruppe 3 (Gastarbeiter kamen)

Gruppe 3 spannt Fäden zurück von der Bevölkerungsexplosion 1880/1890 zur Industrie bei Gruppe 2 sowie zur Kultur bei Gruppe 4, die durch die Gastarbeiter vielfältiger geworden ist.
Und so weiter.

Lesen:
Die Schülerin oder Schüler beginnen bei einem beliebigen Text. Folgen Sie einem Faden, markieren sie die Stelle an der der Faden startet (den „Link“) mit einem Klebestreifen mit ihrem Namen – so kann man später zusätzlich sehen, welche Links interessant und welche unspannend waren.
Stellen die Kinder fest, dass sie den Link zwar interessant finden, aber lieber erst im Text bleiben möchten, können sie stattdessen ein Bookmark setzen (= ein PostIt an den Link kleben). Die Beschränkung auf 2-4 Post-Its vermeidet dabei, dass alle Links gebookmarked werden.

Reflexion:
Nach der thematischen Reflexion schauen sich alle zusammen an, welche Links interessant waren und welche nicht. Man kann besprechen, warum das so sein könnte und ob sich z.B. durch andere Linkformen daran etwas ändern ließe.
Quasi als Sahnehäubchen obendrauf kann durch die Anzahl der Fäden leicht erkannt werden, welche Themen offensichtlich wichtig waren – was oft verlinkt ist, muss eine Bedeutung für das Gesamtthema haben. So hat die Beschäftigung mit Hypertext auch noch einen thematischen Nutzen für die eigentliche Unterrichtsreihe.

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Interview: Expertengruppen in der Grundschule (III)

expertenurkunde3

Endlich kommt jetzt auch der dritte Teil des Interviews zu den Expertengruppen in der Grundschule.
Wer die ersten Teile gelesen hat und dazu noch weiß, wie die Sommerferien in NRW liegen, der weiß auch, warum es etwas länger gedauert hat: Zuerst gerieten die Expertenarbeiten in die heiße Phase und dann waren eben: Ferien.
Hier gehts zu Teil eins und Teil zwei.

Zuerst einmal: Schön, dass Du noch einmal dabei bist. Hat alles geklappt mit den letzten Arbeiten?
Fast, ja. Dieses Jahr hatten wir ein bisschen Pech bei den Präsentationen: Zwei Kinder waren zum Präsentationstermin krank. Aber das passiert halt.

Wenn ich alles richtig verstanden habe, dann sollte man jetzt die Präsentationen im Web ansehen können. Richtig?
Ja, die Filme sind auf der Website unserer Schule zu sehen.

… dann werde ich doch gleich mal gucken. Aber wir wollten ja noch einmal speziell auf die Arbeit mit GoogleDocs kommen. Du sagtest, die wäre so auffallend toll gewesen – wieso?
Da gab es mehrere Gründe. Zum einen ist die Textverarbeitung da ja gegenüber den installierten Office-Programmen etwas eingeschränkter. Es gab also weniger Ablenkung durch ClipArts, vermeintlich lustige Schriften oder ähnliches. Hauptsächlich aber deswegen:
Wir hatten lange überlegt, ob wir jedem Kind einen eigenen Account anlegen oder einen gemeinsamen nutzen wollten. Beides hatte seine Vor- und Nachteile. Wir haben uns dann dafür entscheiden, alle zusammen einen Account zu benutzen, den ich in der Woche vor dem ersten Treffen angelegt habe.
Es gab für jedes Kind einen Ordner, in dem es seine Vorlage fand und einen zum Sammeln von Bildern und Texten, die nicht direkt in der Arbeit landen sollten – soweit halt sehr vergleichbar mit den USB-Sticks, die die Kinder sonst benutzt haben.
Aber durch den gemeinsamen Account konnten alle – was vorher gar nicht so sehr so geplant war – ja auch bei den anderen in die Arbeiten reinschauen.
Wir haben das vorher besprochen – aber eher so in dem Sinne, dass sie nicht bei den anderen einfach reinschreiben oder löschen dürften …

… wobei da der Bearbeitungsverlauf ja auch noch einmal Sicherheit bietet …
… ja, aber davon habe ich den Kindern gar nichts erzählt. Ich finde, das ist auch etwas, was Kinder in dem Zusammenhang lernen können: Lass die Daten der anderen in Ruhe. Das kann man ja auch nicht früh genug lernen. Und in dem Umfeld, wo alle sich quasi die Ablage teilen ist das auch sehr einfach zu vermitteln.

Was dann aber passierte und was etwas unerwartet aber wunderschön war: Ganz schnell entdeckten die ersten, dass man in den Ordner eines anderen Kindes auch Dokumente hinein-speichern konnte. Und das haben sie dann genutzt, um sich Briefe zu schreiben. Sie haben sich gebeten, ihre Arbeiten gegenseitig zu lesen oder sie haben sich um Rat gefragt, wenn sie mal irgendwo nicht weiter kamen.

Gerade heute im Web sind ja viele Werkzeuge darauf ausgelegt, zusammen an etwas zu arbeiten und genau das ist hier, ohne dass ich extra darauf hingewiesen oder es gesteuert hätte, passiert.

Das sind dann, wenn ich mich richtig erinnere, ja Fähigkeiten, die im normalen Unterricht eher seltener gefordert werden, oder?
Jein. Wir arbeiten ja schon in vielen verschiedenen Formen, von der Einzelarbeit über Partner- und Gruppenarbeit bis hin zu Stationen oder Freiarbeit. Und da gibt es überall auch immer wieder Momente, wo Zusammenarbeit gefordert ist und wo sich die Schülerinnen und Schüler gegenseitig Rückmeldungen geben und zusammen Ergebnisse erarbeiten.
Aber es war eben sehr schön zu sehen, dass sie in dem Moment als sie die Werkzeuge und Möglichkeiten dazu vorfanden sofort auch eingefordert haben, mit den anderen zusammen zu arbeiten.

Wie gesagt: Selbst ich, die ich ja nicht in einem Bürojob oder mit sehr vielen ständig wechselnden Projekten arbeite bin ständig darauf angewiesen, mit anderen Daten oder allgemeiner: Wissen auszutauschen und zusammen Dinge zu erarbeiten. In anderen Jobs ist das ja noch viel ausgeprägter und deswegen war ich so froh, dass die Expertenarbeiten auch hier neben dem reinen Fachwissen schon früh die nötigen Kompetenzen vermitteln können.

Fassen wir zusammen: Die Kinder kommen zusammen, um eine Facharbeit über ein Thema zu schreiben und haben am Ende eine Menge digitaler Kompetenzen gelernt?
Wenn Du so willst, ja. Sie lernen, ein Thema zu überblicken und mit Hilfe geeigneter Software zu strukturieren, sie lernen mit Office-Software größere Dokumente zu erstellen.
Wir streifen Internet-Recherche und das Bewerten von Quellen. Dann wird eine Präsentation erstellt und vor Publikum gehalten.
Und – wie gesagt – im Idealfall praktizieren wir ganz nebenbei auch noch kollaboratives Arbeiten am Rechner.
Ich denke, das sind eine ganze Menge an Techniken auch rund um den PC, die im heutigen Berufsumfeld alle sehr selbstverständlich gefordert werden und die so ebenso selbstverständlich beim Arbeiten an einem Fachthema in den Unterricht integriert werden können.

Ja, dann danke ich Dir sehr für Deine Zeit und dafür, dass Du uns so ausführlich erzählt hast. Du hast irgendwann auch angedeutet, Du würdest gerade einen Raum in Deiner Schule konzeptionieren, in dem ähnliches Arbeiten möglich sein soll. Darf ich mir den einmal ansehen, wenn er fertig ist?
Aber gerne!

Die anderen Teile des Interviews: Teil 1 | Teil 2

Anmerkung: Steffi ist nicht nur Lehrerin, sondern auch meine Frau. Und an der Konzeption der passenden Software-Konstellation war ich nicht unbeteiligt.

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Interview: Expertengruppen in der Grundschule (II)

expertenurkunde2

Steffi arbeitet an einer Grundschule und bietet dort eine Expertengruppe an. Ich habe mit Ihr gesprochen, weil sie in dieser Gruppe ein wunderbares Beispiel dafür bietet, wie man mit geringem Aufwand und ohne neue Hard- oder Software „Computerunterricht” in bestehende Unterrichtsformen integrieren kann. Schon in der Grundschule. Hier geht’s zu Teil I des Interviews.

Kommen wir jetzt mal zu der Software, die Ihr benutzt. Du sagst, Ihr benutzt keine speziellen Programme?
Nein. Da von Beginn an zum Konzept gehörte, dass die Kinder nicht nur in den beiden Stunden pro Woche, sondern auch zu Hause oder an ihrem Klassencomputer arbeiten sollten, war es wichtig, dass wir die Hürden dafür so niedrig wie möglich hielten. Und eine Office-Software, die mit dem Format .doc umgehen kann findet sich bestimmt auf 90% aller Rechner, das ist ja ziemlicher Standard. In den wenigen Fällen, wo nicht eh ein Office-Programm da ist, finden die Schülerinnen und Schüler dann ja das Open-Source-Office in ihrem digitalen Rucksack. (Dem USB-Stick, den sie zu Beginn bekommen – siehe Teil I)
Auch das MindMapping-Programm findet sich da. Die Software ist in den letzten Jahren quasi noch nie ein Problem gewesen.

Du hast angedeutet, dass Ihr auch schon einmal mit GoogleDocs und der Cloud gearbeitet habt. Warum? Warum nicht mehr?
Die Arbeit mit USB-Sticks birgt natürlich gewisse Gefahren: Die Sticks müssen über die Dauer eines Jahres pfleglich behandelt werden und gerade, wenn es am Ende unserer Stunden dann mal hektisch wird, dann wird auch schon mal ein Stick abgezogen, während Windows noch der Meinung ist, etwas darauf schreiben zu müssen. Auch der Transport in Schultornistern ist für einen Stick ja nicht immer die sicherste Möglichkeit, da ist auch schon mal ein Kakao drüber ausgelaufen.
Um diese Gefahren zu minimieren haben wir also ein Jahr lang mit GoogleDocs gearbeitet. Wir hatten einen gemeinsamen GoogleAccount eingerichtet und für jedes Kind darin einen Ordner. Das war sehr schön, weil die Kinder viel mehr mitbekommen haben, was die anderen aus der Gruppe tun; sie haben zB schon viel früher als sonst gegenseitig ihre Arbeiten gelesen. Aber leider ist unsere Schule so schlecht ans Internet angebunden, dass wir zum Ende des Jahres hin nicht mehr flüssig arbeiten konnten.
Und den Versuch mit einer Cloud-Lösung zu arbeiten haben wir schon nach wenigen Wochen abbrechen müssen. Die bekannteste Lösung, die Dropbox durften wir auf den Schulrechnern nicht installieren. Wir haben dann mit einer OwnCloud-Installation (direkt auf unserem Schulserver) gearbeitet. Aber auch die konnte auf unseren Schulrechnern nicht ganz so wie gedacht genutzt werden, so dass wir wieder zurück zu den USB-Stick gewechselt sind.
Wenn man es positiv sehen will: Auf die eigenen Daten aufzupassen und einen Stick sorgsam zu behandeln ist ja auch ein Teil von Medienkompetenz, den man gar nicht früh genug lernen kann.

Benutzt Ihr sonst noch Software? Was nutzt Ihr sonst noch für die Arbeit?
Gerade zu Beginn der Arbeit recherchieren die Kinder sehr viel im Web – da nehmen wir die Browser, die auf den Rechnern vorinstalliert sind. Zu Beginn nutzen die Kinder hauptsächlich die Kindersuchmaschinen www.fragfinn.de und www.blinde-kuh.de.
Später kommt dann aber auch eine ganz normale Google-Suche dazu. Wenn man sich vorher schon darüber unterhalten hat, wie man seriöse von unseriösen Quellen unterscheidet und dass man für so eine Arbeit immer zwei Quellen braucht, bevor man es aufschreibt, dann geht das sehr gut.
Und auch die Google-Bildersuche ist für die Arbeiten und besonders für die Präsentationen hinterher natürlich wichtig. Da unser Internetzugang mit einem Filter für jugendgefährdende Inhalte geschützt ist, muss man sich da auch keine Sorgen machen.

Genau, die Präsentationen. Du hast erzählt, dass die Gruppen am Schluss ihre Arbeiten der Schule vorstellen. Erzähl mal, wie sieht das aus?
Auch da benutzen wir LibreOffice und speichern die Präsentationen als .ppt ab, denn auch hier hat sich gezeigt, dass die Standard-Office-Lösungen einfach am weitesten verbreitet sind. Natürlich könnte man darüber nachdenken, nur freie Software und freie Formate zu nutzen. Aber in dieser Gruppe ist uns wichtig, dass die Kinder eben ohne große Hürden, ohne neue Programme und ähnliches etwas arbeiten können, was sie eigentlich schon im Kleinen zum Beispiel aus Gruppenarbeiten oder Projektwochen kennen – nur eine Nummer größer. Und ganz nebenbei verlieren die Computer und unser Computerraum auch ein bisschen ihren Selbstzweck und die Rechner werden zu einem alltäglichen Werkzeug, mit dem man eben einen Teils einer Arbeit macht. So wie später im Berufsleben ja auch.
So steht am Ende nicht nur der Lernerfolg rund um das Thema der Expertenarbeit, sondern auch eine ganze Reihe an Fähigkeiten, die zu einem modernen digitalen Alltag dazugehören: Strukturieren einer Aufgabe, Recherche zum Thema, Zitieren und das Nennen von Quellen. Und eben Benutzen von Office-Software, die schon erwähnte Achtsamkeit für die eigenen Daten, das Einschätzen von Quellen und dann am Schluss die Präsentation der eigenen Arbeit vor einem Publikum.
Unsere Aula ist immer voll und wir haben dann vorne ein kleines Rednerpult mit Mikrofon aufgebaut, die Präsentationen laufen auf einem Laptop und werden mit dem Beamer vorne an die Leinwand geworfen und wir filmen alles, so dass die Filme hinterher auf unserer Schulwebsite zu finden sind. Natürlich sind alle vorher gut aufgeregt, aber hinterher auch immer sehr stolz.
Was mir auch wichtig ist: Auch die „Bücher” verschwinden nicht in irgendeiner Schulbibliothek. Wir drucken und binden immer viele Exemplare, so dass jedes Kind mehrere Exemplare für Eltern, Freunde und sich selbst hat.

Danke, ich denke, wir machen hier noch einmal einen Schnitt. Und beim nächsten mal würde ich dann gerne noch ein bisschen mehr auf die Zusammenarbeit mit GoogleDocs eingehen
Gerne!

Die anderen Teile des Interviews: Teil 1 | Teil 3

Anmerkung: Steffi ist nicht nur Lehrerin, sondern auch meine Frau. Und an der Konzeption der passenden Software-Konstellation war ich nicht unbeteiligt.

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Interview: Expertengruppen in der Grundschule (I)

expertenurkunde
Steffi arbeitet an einer Grundschule und bietet dort eine Expertengruppe an. Ich habe mit ihr darüber gesprochen, weil sie in dieser Gruppe ein wunderbares Beispiel dafür bietet, wie man mit geringem Aufwand und ohne neue Hard- oder Software „Computerunterricht” in bestehende Unterrichtsformen integrieren kann. Schon in der Grundschule.
Weil Steffi viel interessantes zu erzählen hat, habe ich das Gespräch aufgeteilt: Im ersten Teil stellt sie erst einmal das Konzept der Gruppe vor. Später geht es dann noch genauer um die verwendete Software und darum, was für „digitale” Lernziele damit neben den auf den ersten Blick sichtbaren noch vermittelt werden.

Hallo, besten Dank für Deine Zeit. Stell Dich doch erst einmal kurz vor und erzähl, was Du machst!
Ich bin gelernte Sonderpädagogin, arbeite an einer Grundschule und biete dort unter anderem für die vierten Klassen eine Projektgruppe an, in der die Kinder über den Zeitraum eines Schuljahres eine Expertenarbeit zu schreiben. Die Arbeit besteht aus einem Buch – das Thema finden die Schülerinnen und Schüler selbst – und einer Präsentation.
Nach dem Kennenlernen gehört dazu also erst die Ideenfindung, dann die Recherche zum Thema und das Gliedern der gefundenen Informationen. Dazu benutzen wir eine MindMapping-Software.
Wenn die Struktur steht, schreiben die Kinder die Arbeit; dafür nutzen wir ein normales Office-Programm. Und zum Schluss folgt dann noch eine Präsentation: Die TeilnehmerInnen erstellen – ebenfalls mit ganz normaler Office-Software – eine Präsentation, die sie dann vor den anderen Kindern ihres Jahrgangs, Eltern und Lehrern halten.

Das klingt ja spannend. Du hast schon kurz erwähnt, dass Ihr keine besondere Software verwendet. Was benutzt Ihr?
Genau. Zu Beginn bekommen die Kinder einen USB-Stick, wir nennen ihn den „digitalen Rucksack”. Darauf finden sie zum einen einen Ordner mit zwei Programmen: Einem Office-Paket und einem MindMapper. Wir nutzen Libre-Office und die freie Version von XMind, also zwei kostenlose Programme, so dass dort keine Kosten oder Probleme mit Lizenzen entstehen.
In einem zweiten Ordner finden sie ein Word-Dokument, in dem Aufbau und Struktur der Arbeit bereits vorgegeben sind. Elemente wie Einleitung und Schluß oder auch das Literatur-Verzeichnis, an die die Kinder von sich aus zuerst nicht denken sind so vorgegeben und bleiben immer im Blick.
Die Kinder arbeiten direkt in diesem Dokument und haben so ständig die Struktur und offene Punkte vor Augen und das Buch wächst über den Verlauf des Schuljahres.
Ein dritter Ordner dient als Sammelplatz für z.B. gesammelte Bilder, Textstellen und ähnliches, was für Arbeit nötig ist, aber nicht direkt im Buch oder der Präsentation stehen soll.

Wie oft trifft sich die Gruppe? Wie viel arbeiten die Schüler an dem Projekt?
Wir treffen uns einmal die Woche jeweils für eine Doppelstunde im Computerraum der Schule. Außerdem ist eingeplant, dass die Kinder ca. eine Stunde in der Woche außerhalb dieser Gruppenstunden arbeiten.
Unsere Arbeitsweise ist von vorneherein so ausgelegt, dass die Kinder an jedem Computer arbeiten können und nicht an den Computerraum gebunden sind. Egal, ob es der Klassencomputer oder ein Rechner zu Hause ist: Selbst wenn kein Office-Programm installiert ist, haben die Kinder auf dem Stick ja eines, das installiert werden kann. Wir arbeiten mit dem Format .doc, da hat sich gezeigt, dass alle Eltern und alle Computer damit klarkommen.
Und da die Daten auf dem Stick sind, haben die Kinder ihre Arbeit eh immer bei sich. Wir haben auch schon mit GoogleDocs und mit Speicher in der Cloud gearbeitet.

Da kommen wir dann später noch drauf zurück. Wie geht’s mit der Arbeit weiter?
Der Zeitplan ist so, dass immer zu Ostern alle Bücher fertig geschrieben sind, dann gehen noch ein paar Stunden für gemeinschaftliches Formatieren und Überarbeiten drauf. Die restliche Zeit bis zu den Sommerferien arbeiten die Kinder daran, das, was sie über das Jahr über ihr Thema gelernt und erarbeitet haben in einer Präsentation zusammen zu fassen.
Die Präsentationen werden dann meist in der letzten Schulwoche in der Aula vor den anderen Schülerinnen und Schülern des Jahrgangs, den Lehrern und den eingeladenen Eltern gehalten. Wer nicht kommen konnte, findet die Vorträge auch im Internet auf unserer Schul-Website – aber das ist natürlich Luxus und für die eigentliche Projektarbeit zwar schön, aber nicht nötig.

Danke bis hierhin! Ich denke, jetzt haben wir schon eine gute Vorstellung, was die KInder in Deiner Gruppe tun. Im nächsten Teil würde ich dann gerne konkreter um die Software und Deine Erfahrungen mit verschiedenen Lösungen sprechen.
Gerne!

Die anderen Teile des Interviews: Teil 2 | Teil 3

Anmerkung: Steffi ist nicht nur Lehrerin, sondern auch meine Frau. Und an der Konzeption der passenden Software-Konstellation war ich nicht unbeteiligt.

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Tippen oder mit der Hand schreiben?

schreibschrifttastatur

Eine kleine Änderung in finnischen Lehrplänen sorgt auch in Deutschland für Wirbel: Ab Herbst 2016 soll in finnischen Schulen nicht mehr vorrangig handschriftliches Schreiben sondern stattdessen das korrekte Tippen auf Tastaturen gelehrt werden.

Sofort melden sich auch deutsche Experten, unterstützt von internationalen Studien, zu Wort und zweifeln den Sinn dieser Umstellung an. Sie warnen vor den Gefahren für Kinder, die keine Handschrift mehr lernen und betonen, wie wichtig die Verknüpfung von Schrift und Motorik auch für die Entwicklung des Gehirns ist.

Leider wirkt es, als würde diese Diskussion einen Stellungskampf, der sich schon jetzt an verschiedenen Versionen der gelernten Handschrift entzündet, weiter fort zu führen: Statt verschiedene, sich ergänzende Kompetenzen nebeneinander zu lehren geht es um „entweder-oder”: Tippen oder mit der Hand schreiben?

Dabei handelt es sich in beiden Fällen um Kompetenzen, die wichtig sind für unsere Kinder. Eine Tastatur bedienen zu können ist in unserer Zeit schon lange unumgänglich und so muss diese Fertigkeit zusammen mit allen anderen grundlegenden Techniken zur Bedienung eines Computers im Unterricht selbstverständlich sein. Genau so wie das Erlernen einer Handschrift – und das nicht nur, weil sich immer mehr Geräte über ihre Touchscreens auch mit einem Stift und Handschrift bedienen lassen.

(Nachtrag: Die BBC weiß, dass es auch in Finnland nur um Schreibschrift und nicht um den kompletten Ersatz alles Handschriftlichen geht. Da scheint das also mit dem friedlichen Nebeneinander von traditionellen und modernen Kompetenzen zu funktionieren.)

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Angst vor dem WLAN? Oder vor dem Computer?

WLAN
In den letzten Wochen und Monaten konnte man diese drei Meldungen lesen:

  1. In Hamburg werden Modellklassen eingerichtet, die überwiegend mit dem Computer statt mit Heft und Füller arbeiten sollen.
  2. Irgendjemandem fällt auf, dass dazu WLAN in den Klassen nötig ist. Das Projekt wird gestoppt, weil man Schüler nicht der gefährlichen Strahlung aussetzen will.
  3. Nachdem dieser Rückzieher groß durch die Presse ging, stellt er sich als klassische Ente heraus: Natürlich wird das Projekt starten.

Bezieht man jetzt noch mit ein, dass vor allem Punkt zwei, die angebliche Angst vor dem WLAN, am meisten Beachtung fand, dann ist diese kleine Kette von Ereignissen durchaus interessant. Zeigt sie doch vielleicht einen möglichen Grund dafür, dass die Computerkompetenz deutscher Schüler bei einer internationalen Untersuchung nur im Mittelfeld landete.

Unsere Welt ist inzwischen eine durch und durch digitale. Jede Sekretärin hat einen Computer auf dem Schreibtisch, ohne Online-Zugang kann man sich an vielen Unis nicht einmal mehr einschreiben. Selbst klassische Handwerksberufe wie Tischler oder Zerspanungsmechaniker kommen nicht mehr ohne den PC aus und die Stadtwerke lesen unseren Stromzähler per Internet aus und klingeln dazu nicht mehr an.
Die Frage, ob unsere Kinder den Umgang mit dem Computer lernen sollen, darf sich nicht mehr stellen. Es kann nur um das „wie” gehen.

Gleichzeitig aber zeigt das eingangs erwähnte Beispiel, dass es bei der Diskussion um Computer für Kinder nicht nur um die harten Fakten geht.
Es geht eben auch um ein – vielleicht eher unbestimmtes – Gefühl. Gerade in Deutschland gibt es auch eine diffuse Angst vor „dem Computer”, da wollen wir natürlich gerade unsere Kinder schützen. Das ist verständlich und richtig und gut. Aber wenn man schon schlecht gegen eine fundierte schulische Ausbildung argumentieren kann, dann bleibt als Argument auf einmal nur diese Angst vor dem nicht-greifbaren.

Was also tun?
Meiner Meinung nach gehören gerade deswegen Computer ganz selbstverständlich ins tägliche Leben auch von Kindern. Natürlich sind die Computer, ist das Internet, was uns Erwachsenen täglich begegnet, nicht unbedingt kindgerecht. Ebenso wenig wie der Straßenverkehr, der uns morgens in der Rush-Hour auf dem Weg ins Büro begleitet nicht kindgerecht ist.

Aber so wie wir mit Kindern üben, sich selbst im Verkehr zu orientieren und Tag für Tag sicherer werden, so gilt es, auch Kinder Schritt für Schritt nach Digitalien zu begleiten:
Ob sie mit Bauklötzen und Spielkarten nebenbei erste Erfahrungen mit digitalen Logik-Ketten machen oder in der Schule ihre Ergebnisse statt in einem roten Hefter in einem Klassenwiki festhalten – machen wir den Computer auch für unsere Kinder zu der gleichen positiven Selbstverständlichkeit, die er für uns längst ist.
Angenehmer Nebeneffekt für manche Zweifler übrigens: Alles, was ganz normal ist, verliert auch seinen übermäßigen Reiz. Etablieren wir den Computer als Selbstverständlichkeit für unsere Kinder, müssen unsere Teenies zum Protest vielleicht schon bald wieder in den Wald statt in den nächsten Chatroom flüchten.