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Die Schulen haben den Anschluss verpasst: Digitale Bildung findet vornehmlich in der Freizeit statt

kaeseglockeIn einer repräsentativen Umfrage unter mehr als 500 Schülern weiterführender Schulen ermittelte jüngst das Meinungsforschungsinstitut Aris für den Hightech-Verband BITKOM und die LEARNTEC-Messe für digitales Lernen, dass die IT-Ausstattung an deutschen Schulen deutlich zu wünschen übrig lässt. Mehr als die Hälfte der befragten Schüler bewertete die Computertechnik an der besuchten Schule maximal als mittelmäßig – eine deutliche Verschlechterung gegenüber der letzten Umfrage in 2010, wo nur 40% der Schüler ein negatives Urteil dazu abgaben. Jeder dritte Schüler bringt deshalb ein eigenes Notebook mit in den Unterricht, jeder fünfte ein Tablet. Kommen digitale Geräte im Unterricht zum Einsatz, dann im Wesentlichen zu Präsentationszwecken oder zur Webrecherche. Kreative Nutzung solcher Medien? – Größtenteils Fehlanzeige! Weniger als 30 % der Schüler verwenden in der Schule digitale Geräte zum Programmieren oder zur Webseitengestaltung.

„Wir verschenken in unseren Schulen enormes Potenzial, wenn wir Computer & Co. nur als die bessere Kreidetafel einsetzen. Die Schere zwischen der Qualität der IT-Ausstattung an unseren Schulen und dem Stand der Technik sowie der Qualität der Ausstattung in den Wohn- und Kinderzimmern öffnet sich immer weiter.“

— Achim Berg, Vizepräsident der BITKOM

Die Umfrage zeigt auch, dass digitale Medien durchaus in die Lernwelt der Schüler Einzug gehalten haben. Zwei Drittel der Befragten gaben an, mit digitalen Medien zu lernen. Das Problem dabei: Sie tun dies in ihrer Freizeit. Merkwürdig, wenn die Schulen ihren Bildungsauftrag (oft aus hanebüchenen Gründen) lieber mit antiquierten Methoden wahrnehmen, statt ihre Schüler mit einem zeitgemäßen Ansatz bestmöglich auf das Leben im Allgemeinen und die berufliche Entwicklung im Besonderen vorzubereiten. Wenn essentielle Bildungslücken von Schülern und Eltern außerhalb der Schulen (und mit eigenen Mitteln!) geschlossen werden müssen und die Bildungseinrichtungen das trotz solcher erschreckenden Ergebnisse weiterhin achselzuckend hinnehmen, dann sind verheerende PISA-Studienergebnisse über kurz oder lang nicht mehr unser einziges Bildungsproblem.

[Ausführlicher Informationen zu den Umfragergebnissen und zum digitalen Lernen gibt es bei der BITKOM.]

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