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Interview: Expertengruppen in der Grundschule (II)

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Steffi arbeitet an einer Grundschule und bietet dort eine Expertengruppe an. Ich habe mit Ihr gesprochen, weil sie in dieser Gruppe ein wunderbares Beispiel dafür bietet, wie man mit geringem Aufwand und ohne neue Hard- oder Software „Computerunterricht” in bestehende Unterrichtsformen integrieren kann. Schon in der Grundschule. Hier geht’s zu Teil I des Interviews.

Kommen wir jetzt mal zu der Software, die Ihr benutzt. Du sagst, Ihr benutzt keine speziellen Programme?
Nein. Da von Beginn an zum Konzept gehörte, dass die Kinder nicht nur in den beiden Stunden pro Woche, sondern auch zu Hause oder an ihrem Klassencomputer arbeiten sollten, war es wichtig, dass wir die Hürden dafür so niedrig wie möglich hielten. Und eine Office-Software, die mit dem Format .doc umgehen kann findet sich bestimmt auf 90% aller Rechner, das ist ja ziemlicher Standard. In den wenigen Fällen, wo nicht eh ein Office-Programm da ist, finden die Schülerinnen und Schüler dann ja das Open-Source-Office in ihrem digitalen Rucksack. (Dem USB-Stick, den sie zu Beginn bekommen – siehe Teil I)
Auch das MindMapping-Programm findet sich da. Die Software ist in den letzten Jahren quasi noch nie ein Problem gewesen.

Du hast angedeutet, dass Ihr auch schon einmal mit GoogleDocs und der Cloud gearbeitet habt. Warum? Warum nicht mehr?
Die Arbeit mit USB-Sticks birgt natürlich gewisse Gefahren: Die Sticks müssen über die Dauer eines Jahres pfleglich behandelt werden und gerade, wenn es am Ende unserer Stunden dann mal hektisch wird, dann wird auch schon mal ein Stick abgezogen, während Windows noch der Meinung ist, etwas darauf schreiben zu müssen. Auch der Transport in Schultornistern ist für einen Stick ja nicht immer die sicherste Möglichkeit, da ist auch schon mal ein Kakao drüber ausgelaufen.
Um diese Gefahren zu minimieren haben wir also ein Jahr lang mit GoogleDocs gearbeitet. Wir hatten einen gemeinsamen GoogleAccount eingerichtet und für jedes Kind darin einen Ordner. Das war sehr schön, weil die Kinder viel mehr mitbekommen haben, was die anderen aus der Gruppe tun; sie haben zB schon viel früher als sonst gegenseitig ihre Arbeiten gelesen. Aber leider ist unsere Schule so schlecht ans Internet angebunden, dass wir zum Ende des Jahres hin nicht mehr flüssig arbeiten konnten.
Und den Versuch mit einer Cloud-Lösung zu arbeiten haben wir schon nach wenigen Wochen abbrechen müssen. Die bekannteste Lösung, die Dropbox durften wir auf den Schulrechnern nicht installieren. Wir haben dann mit einer OwnCloud-Installation (direkt auf unserem Schulserver) gearbeitet. Aber auch die konnte auf unseren Schulrechnern nicht ganz so wie gedacht genutzt werden, so dass wir wieder zurück zu den USB-Stick gewechselt sind.
Wenn man es positiv sehen will: Auf die eigenen Daten aufzupassen und einen Stick sorgsam zu behandeln ist ja auch ein Teil von Medienkompetenz, den man gar nicht früh genug lernen kann.

Benutzt Ihr sonst noch Software? Was nutzt Ihr sonst noch für die Arbeit?
Gerade zu Beginn der Arbeit recherchieren die Kinder sehr viel im Web – da nehmen wir die Browser, die auf den Rechnern vorinstalliert sind. Zu Beginn nutzen die Kinder hauptsächlich die Kindersuchmaschinen www.fragfinn.de und www.blinde-kuh.de.
Später kommt dann aber auch eine ganz normale Google-Suche dazu. Wenn man sich vorher schon darüber unterhalten hat, wie man seriöse von unseriösen Quellen unterscheidet und dass man für so eine Arbeit immer zwei Quellen braucht, bevor man es aufschreibt, dann geht das sehr gut.
Und auch die Google-Bildersuche ist für die Arbeiten und besonders für die Präsentationen hinterher natürlich wichtig. Da unser Internetzugang mit einem Filter für jugendgefährdende Inhalte geschützt ist, muss man sich da auch keine Sorgen machen.

Genau, die Präsentationen. Du hast erzählt, dass die Gruppen am Schluss ihre Arbeiten der Schule vorstellen. Erzähl mal, wie sieht das aus?
Auch da benutzen wir LibreOffice und speichern die Präsentationen als .ppt ab, denn auch hier hat sich gezeigt, dass die Standard-Office-Lösungen einfach am weitesten verbreitet sind. Natürlich könnte man darüber nachdenken, nur freie Software und freie Formate zu nutzen. Aber in dieser Gruppe ist uns wichtig, dass die Kinder eben ohne große Hürden, ohne neue Programme und ähnliches etwas arbeiten können, was sie eigentlich schon im Kleinen zum Beispiel aus Gruppenarbeiten oder Projektwochen kennen – nur eine Nummer größer. Und ganz nebenbei verlieren die Computer und unser Computerraum auch ein bisschen ihren Selbstzweck und die Rechner werden zu einem alltäglichen Werkzeug, mit dem man eben einen Teils einer Arbeit macht. So wie später im Berufsleben ja auch.
So steht am Ende nicht nur der Lernerfolg rund um das Thema der Expertenarbeit, sondern auch eine ganze Reihe an Fähigkeiten, die zu einem modernen digitalen Alltag dazugehören: Strukturieren einer Aufgabe, Recherche zum Thema, Zitieren und das Nennen von Quellen. Und eben Benutzen von Office-Software, die schon erwähnte Achtsamkeit für die eigenen Daten, das Einschätzen von Quellen und dann am Schluss die Präsentation der eigenen Arbeit vor einem Publikum.
Unsere Aula ist immer voll und wir haben dann vorne ein kleines Rednerpult mit Mikrofon aufgebaut, die Präsentationen laufen auf einem Laptop und werden mit dem Beamer vorne an die Leinwand geworfen und wir filmen alles, so dass die Filme hinterher auf unserer Schulwebsite zu finden sind. Natürlich sind alle vorher gut aufgeregt, aber hinterher auch immer sehr stolz.
Was mir auch wichtig ist: Auch die „Bücher” verschwinden nicht in irgendeiner Schulbibliothek. Wir drucken und binden immer viele Exemplare, so dass jedes Kind mehrere Exemplare für Eltern, Freunde und sich selbst hat.

Danke, ich denke, wir machen hier noch einmal einen Schnitt. Und beim nächsten mal würde ich dann gerne noch ein bisschen mehr auf die Zusammenarbeit mit GoogleDocs eingehen
Gerne!

Die anderen Teile des Interviews: Teil 1 | Teil 3

Anmerkung: Steffi ist nicht nur Lehrerin, sondern auch meine Frau. Und an der Konzeption der passenden Software-Konstellation war ich nicht unbeteiligt.

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