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Interview: Expertengruppen in der Grundschule (III)

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Endlich kommt jetzt auch der dritte Teil des Interviews zu den Expertengruppen in der Grundschule.
Wer die ersten Teile gelesen hat und dazu noch weiß, wie die Sommerferien in NRW liegen, der weiß auch, warum es etwas länger gedauert hat: Zuerst gerieten die Expertenarbeiten in die heiße Phase und dann waren eben: Ferien.
Hier gehts zu Teil eins und Teil zwei.

Zuerst einmal: Schön, dass Du noch einmal dabei bist. Hat alles geklappt mit den letzten Arbeiten?
Fast, ja. Dieses Jahr hatten wir ein bisschen Pech bei den Präsentationen: Zwei Kinder waren zum Präsentationstermin krank. Aber das passiert halt.

Wenn ich alles richtig verstanden habe, dann sollte man jetzt die Präsentationen im Web ansehen können. Richtig?
Ja, die Filme sind auf der Website unserer Schule zu sehen.

… dann werde ich doch gleich mal gucken. Aber wir wollten ja noch einmal speziell auf die Arbeit mit GoogleDocs kommen. Du sagtest, die wäre so auffallend toll gewesen – wieso?
Da gab es mehrere Gründe. Zum einen ist die Textverarbeitung da ja gegenüber den installierten Office-Programmen etwas eingeschränkter. Es gab also weniger Ablenkung durch ClipArts, vermeintlich lustige Schriften oder ähnliches. Hauptsächlich aber deswegen:
Wir hatten lange überlegt, ob wir jedem Kind einen eigenen Account anlegen oder einen gemeinsamen nutzen wollten. Beides hatte seine Vor- und Nachteile. Wir haben uns dann dafür entscheiden, alle zusammen einen Account zu benutzen, den ich in der Woche vor dem ersten Treffen angelegt habe.
Es gab für jedes Kind einen Ordner, in dem es seine Vorlage fand und einen zum Sammeln von Bildern und Texten, die nicht direkt in der Arbeit landen sollten – soweit halt sehr vergleichbar mit den USB-Sticks, die die Kinder sonst benutzt haben.
Aber durch den gemeinsamen Account konnten alle – was vorher gar nicht so sehr so geplant war – ja auch bei den anderen in die Arbeiten reinschauen.
Wir haben das vorher besprochen – aber eher so in dem Sinne, dass sie nicht bei den anderen einfach reinschreiben oder löschen dürften …

… wobei da der Bearbeitungsverlauf ja auch noch einmal Sicherheit bietet …
… ja, aber davon habe ich den Kindern gar nichts erzählt. Ich finde, das ist auch etwas, was Kinder in dem Zusammenhang lernen können: Lass die Daten der anderen in Ruhe. Das kann man ja auch nicht früh genug lernen. Und in dem Umfeld, wo alle sich quasi die Ablage teilen ist das auch sehr einfach zu vermitteln.

Was dann aber passierte und was etwas unerwartet aber wunderschön war: Ganz schnell entdeckten die ersten, dass man in den Ordner eines anderen Kindes auch Dokumente hinein-speichern konnte. Und das haben sie dann genutzt, um sich Briefe zu schreiben. Sie haben sich gebeten, ihre Arbeiten gegenseitig zu lesen oder sie haben sich um Rat gefragt, wenn sie mal irgendwo nicht weiter kamen.

Gerade heute im Web sind ja viele Werkzeuge darauf ausgelegt, zusammen an etwas zu arbeiten und genau das ist hier, ohne dass ich extra darauf hingewiesen oder es gesteuert hätte, passiert.

Das sind dann, wenn ich mich richtig erinnere, ja Fähigkeiten, die im normalen Unterricht eher seltener gefordert werden, oder?
Jein. Wir arbeiten ja schon in vielen verschiedenen Formen, von der Einzelarbeit über Partner- und Gruppenarbeit bis hin zu Stationen oder Freiarbeit. Und da gibt es überall auch immer wieder Momente, wo Zusammenarbeit gefordert ist und wo sich die Schülerinnen und Schüler gegenseitig Rückmeldungen geben und zusammen Ergebnisse erarbeiten.
Aber es war eben sehr schön zu sehen, dass sie in dem Moment als sie die Werkzeuge und Möglichkeiten dazu vorfanden sofort auch eingefordert haben, mit den anderen zusammen zu arbeiten.

Wie gesagt: Selbst ich, die ich ja nicht in einem Bürojob oder mit sehr vielen ständig wechselnden Projekten arbeite bin ständig darauf angewiesen, mit anderen Daten oder allgemeiner: Wissen auszutauschen und zusammen Dinge zu erarbeiten. In anderen Jobs ist das ja noch viel ausgeprägter und deswegen war ich so froh, dass die Expertenarbeiten auch hier neben dem reinen Fachwissen schon früh die nötigen Kompetenzen vermitteln können.

Fassen wir zusammen: Die Kinder kommen zusammen, um eine Facharbeit über ein Thema zu schreiben und haben am Ende eine Menge digitaler Kompetenzen gelernt?
Wenn Du so willst, ja. Sie lernen, ein Thema zu überblicken und mit Hilfe geeigneter Software zu strukturieren, sie lernen mit Office-Software größere Dokumente zu erstellen.
Wir streifen Internet-Recherche und das Bewerten von Quellen. Dann wird eine Präsentation erstellt und vor Publikum gehalten.
Und – wie gesagt – im Idealfall praktizieren wir ganz nebenbei auch noch kollaboratives Arbeiten am Rechner.
Ich denke, das sind eine ganze Menge an Techniken auch rund um den PC, die im heutigen Berufsumfeld alle sehr selbstverständlich gefordert werden und die so ebenso selbstverständlich beim Arbeiten an einem Fachthema in den Unterricht integriert werden können.

Ja, dann danke ich Dir sehr für Deine Zeit und dafür, dass Du uns so ausführlich erzählt hast. Du hast irgendwann auch angedeutet, Du würdest gerade einen Raum in Deiner Schule konzeptionieren, in dem ähnliches Arbeiten möglich sein soll. Darf ich mir den einmal ansehen, wenn er fertig ist?
Aber gerne!

Die anderen Teile des Interviews: Teil 1 | Teil 2

Anmerkung: Steffi ist nicht nur Lehrerin, sondern auch meine Frau. Und an der Konzeption der passenden Software-Konstellation war ich nicht unbeteiligt.

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