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Non scholae, sed vitae discimus

Digitalkompetenzvermittlung in der Schule

Nicht für die Schule sondern für das Leben lernen wir. Wie viele Generationen von Schülern wurden wohl bei der Frage nach der Sinnhaftigkeit des Lehrstoffes bereits mit dieser Antwort ruhig gestellt? Dabei scheint die Schere dessen, was gelehrt wird und was für das (Über)leben wirklich wichtig ist, in vielen Bereichen immer weiter auseinanderzuklaffen. So kann man den Schulen mit Recht vorwerfen, dass sie bei der Medienerziehung der Kinder ihre Hausaufgaben gar nicht oder nur lückenhaft gemacht haben. Wie sonst erklärt es sich, dass gut ein Drittel der deutschen Achtklässler heute beim Umgang mit Computern noch deutliche Schwächen hat.

In einer Welt, in der alle möglichen Arten von (elektronischen) Medien eine dominante und nicht mehr wegzudiskutierende Rolle eingenommen haben – ob er das für Fluch oder Segen halten will, muss freilich ein Jeder selbst entscheiden – erscheint eine solche Nachlässigkeit der Schulen im höchsten Maße skurril. Die Gründe sind für dieses Säumnis sind zahlreich und in den seltensten Fällen hieb- und stichfest.

Einige wenige Institutionen haben zwar das Ausmaß des Elends inzwischen erkannt und wachsen nun bei dem Versuch, das Versäumte nachzuholen, an manchen Stellen über sich hinaus (in Schleswig-Holstein wurden gerade erst zwölf Schulen als digitale Modellschulen ausgezeichnet), aber das bleiben viel zu seltene Ausnahmen. Die Annahme, dass den Erfordernissen der Digitalkompetenzvermittlung durch die flächendeckende Einführung von Programmierunterricht ausreichend Rechnung getragen wird, erfreut sich zwar zunehmender Popularität, geht an der Lebenswirklichkeit der Kinder aber auch meilenweit vorbei: Um sich in einer digitalisierten Welt frei, ohne Angst und im Bewusstsein der Chancen, die sie birgt, bewegen zu können, muss kein Kind programmieren lernen.

Weil die Schulen ihren Auftrag gar nicht oder bestenfalls falsch verstehen, bleibt der wirkliche mediale Erziehungsauftrag also an den Eltern hängen, von denen nicht wenige mit der Komplexität dieser Aufgabe arg zu kämpfen haben. Denn um die eigenen Kinder für einen Alltag im Kontext der digitalen Medienwelt fit zu machen, reicht der limitierte Erfahrungsschatz der Eltern in den seltensten Fällen aus. Zudem schürt nicht zuletzt die eigene Unerfahrenheit bei vielen digitalen Immigranten eine oft übertriebene Angst vor den Gefahren und Untiefen der digitalen Welt. Bei vielen Eltern mündet die Medienkompetenzerziehung aus dieser Angst heraus in Geboten, Verboten und – wo diese nicht mehr greifen – in Überwachungsmechanismen.

Die Kinder leben auf der anderen Seite des Angstäquators. Die weitaus meisten von ihnen dürften heute in der Lage sein, Computer, Smartphone, Tablet und Konsole im Schlaf zu bedienen. Schließlich sind sie als digital Eingeborene in diese Lebensrealität hineingewachsen. Und spätestens durch Farmville, Spotify, Netflix und Co sind ihnen digitale Güter genau so geläufig wie Analoge.

Die Hemmschwelle, alles auszuprobieren, was geht, ist entsprechend niedrig und steht den Ängsten der eigenen Eltern oft diametral gegenüber. Dabei ist es unglaublich wichtig, dass beide Seiten sich aufeinander zubewegen und Essentielles von einander lernen. Die Eltern von den Kindern ein gerüttelt Maß an Unbeschwertheit, Neugier und Entdeckungslust gegenüber den digitalen Medien, die Kinder von den Eltern ein Gespür dafür, wie sie sich in der digitalen Welt vorsichtiger und geschützter bewegen können, ohne dass das zu Lasten ihres Vergnügens gehen muss. Der bewusste Einsatz von die Privatsphäre schützendem, digitalem Taschengeld zum Erwerb von virtuellen Gütern ist da nur ein Beispiel, wie das auf sinnvolle Weise geschehen kann.

In der Beitragsreihe „Bits, Kids & Knete“ (unterstützt von paysafecard) gehen wir u.a. auf die Möglichkeiten (fast) spurenloser Bezahlung im Netz, das Thema „Online Games – Fluch oder Segen für Familien?“ und die Digitalisierung des Taschengeldes ein.

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