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Programmierkenntnisse sind nur ein Puzzleteil

bitsnkids_teilnahmeerklaerung-2In einer Lebensrealität, in der wir selbst uns das Zurechtkommen ohne digitale Hilfsmittel oft kaum noch vorstellen können, ist es sicher alles andere als dumm, auch unsere Kinder frühzeitig an den sinnvollen Umgang mit den vorhandenen Technologien heranzuführen. Und weil wir uns selbst vielleicht nicht zutrauen, die Vermittlerrolle zwischen Kind und Technik zu übernehmen, ist es naheliegend, hier auf die Schulen zu vertrauen (theoretisch, versteht sich). Man könnte doch eigentlich auch hierzulande das Programmieren zum Pflichtfach erheben und der Drops wäre auf charmante Art gelutscht. Und ganz nebenbei würden die Kids auch gleich für den zukünftigen Arbeitsmarkt aufgemöbelt. Soweit die Theorie.

Zwar entspricht es durchaus den Gepflogenheiten im Kultusbetrieb, bei akutem Bedarf einfach mal ein Fach dazu nehmen – wie seinerzeit schon Hauswirtschaftslehre, Ethik oder Pädagogik – , aber im Umgang mit zeitgemäßen Technologien will die Einführung von „Programmierstunden für alle“ so gar nicht zeitgemäß erscheinen. Denn viel zeitgemäßer wäre es doch eigentlich, die Kinder im Unterricht gemäß ihre Interessen und Neigungen zu fördern (vielleicht auch mithilfe von technischer Infrastruktur, wie sie ein Teach to one Ansatz vorsieht)? Und Programmieren ist genauso wenig jederkinds Sache wie Latein und das weder akut noch perspektivisch.

Hinzu kommt, dass es gerade auch im Hinblick auf die Unwägbarkeiten und Gefahren, die die digitale Welt ebenso wie die analoge mit sich bringen kann, viel essentieller erscheint, den Kindern den Rahmen, in dem sie sich bewegen ganz grundlegend zu erklären. Also: Wie sind die technischen Abläufe? Welche Daten werden generiert und was passiert mit ihnen? Wie funktionieren welche Algorithmen? Welche Spuren hinterlässt jeder Einzelne und womit, etc.?

Ein Schuh kann dann daraus werden, wenn der Umgang mit zeitgemäßer Technologie über ordentliche Ausbildung der Lehrer und ordentliche Ausstattung der Schulen zum Basis-Setup für den gesamten Unterricht wird und zwar über alle Fächer hinweg. Was spräche denn dagegen, wenn Vokabeltraining im Klassenraum auf individuellem Niveau mit Hilfe von Apps stattfinden würde und die Lehrkraft im Bedarfsfall als helfende Hand einschreitet? Oder wenn digitale Fotobearbeitung und Filmschnitt im Kunstunterricht genau so anzutreffen wären wie Linolplatten und Ölfarben? Technologischer Sachverstand muss für kommenden Generationen zum Selbstverständnis werden. Programmierkenntnisse sind im Gesamtkonstrukt allenfalls EIN Puzzleteil.

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