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Informatik zu Fuß

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Computertechnologie ist ein zentraler Teil unserer Lebensrealität geworden. Wir Erwachsenen haben die Annehmlichkeiten der digitalen Welt sukzessive für uns entdeckt, unsere Kinder werden gleich mit ihnen sozialisiert und kennen es damit gar nicht mehr anders.

Das ist weder schlimm noch bedrohlich, setzt aber voraus, dass wir zumindest eine vage Idee davon haben, wie wir mit dem Thema „digitale Welt“ im Kontext Erziehung umgehen wollen. Eine Idee für den privaten Bereich, aber auch eine, die die Erziehung unserer Kinder in öffentlichen Einrichtungen betrifft. Denn die weitaus meisten von uns können ihnen in Sachen Digitalien allenfalls noch mit Viertel- oder Halbwissen beiseite stehen und sind daher auf die Arbeit auch in dieser Richtung gut ausgebildeter Pädagogen angewiesen. Klassische Programmier- und Computerkurse sind ein gangbarer Weg und einige (noch sehr wenige) Länder haben das Fach „Programmieren“ bereits auf den Lehrplan gesetzt. Das ist auf jeden Fall eine gute und richtige Entwicklung.

Charmant finde ich persönlich jedoch besonders jene Initiativen, die Technologiewissen ganz ohne Computer vermitteln wollen – Informatik zu Fuß, sozusagen. An der Universität von Canterbury (Neuseeland) widmen sich die Professoren Tim Bell, Mike Fellows und Ian H. Witten schon seit gut zwei Jahrzehnten genau diesem Thema und haben gemeinsam das Programm „Computer Science Unplugged“ ins Leben gerufen. Es umfasst ein Sammlung verschiedener analoger Lernspiele, mit deren Hilfe Kindern (und Erwachsenen) grundlegende Konzepte der Informatik vermittelt werden, wie z.B. binäre Zahlen, Algorithmen oder auch Datenkomprimierung. Auf der (vielleicht etwas in die Jahre gekommenen) Webseite sind alle von ihnen zusammengetragenen Lernspiele verfügbar und es gibt ein kostenloses E-Book zum Download, das auch als Open Source Version verfügbar ist und 2012 zuletzt aktualisiert wurde. (Es gibt sogar eine Version in deutscher Sprache, die ist zwar nicht mehr ganz taufrisch, aber sicher noch ganz gut brauchbar.)

Etwas ausführlicher kann man sich auch bei Slate über „Computer Science Unplugged“ informieren.

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Der Teufelskreis der erotischen Selfies

Sexting - Nein!Das Internet ist ein Meer voller beeindruckender, lustiger oder lehrreicher Inhalte. Aber leider gibt es darin auch dunkle Schluchten. Über eine besonders düstere berichtete die Badische Zeitung in einem Artikel über Jugendliche, die unvorsichtig Nacktbilder von sich veröffentlichen, was auch als Sexting bezeichnet wird.

Meist wähnen sie sich in falscher Sicherheit, zum Beispiel wenn sie der Partner zum Austausch von aufreizenden Bildern auffordert. Das wird zum bösen Spiel, wenn diese Bilder auf dem Pausenhof rumgereicht werden.

Wer nun glaubt, dass das ein seltenes Phänomen ist, der täuscht sich. Markus Merkle vom Aufklärungsportal Handysektor sagt dazu:

„Nahezu an jeder Schule, in der wir in den vergangenen Monaten waren, gab es mindestens einen solchen Fall. „sind Einzelfälle, aber ich finde es bedenklich, dass es fast an jeder Schule einen solchen Einzelfall gibt.“

Besonders tückisch sind die Fälle, in denen Jugendliche das Gegenüber gar nicht kennen, diese oder dieser aber mit gefälschtem Profil auf charmante Weise das Vertrauen gewinnt und den Jugendlichen dazu bringt Nacktbilder zu versenden.

Alle Fälle haben eines gemeinsam: Für das Opfer beginnt nach dem ersten Nacktbild meist ein Teufelskreis. Die ehemalige „Vertrauensperson“ wird zum Erpresser.

Gegen dieses böse Spiel hilft nur eine Regel: Niemals Nacktbilder über digitale Kanäle verbreiten. Nie! Nie! Nie!

Einen guten Leitfaden zum Thema Sexting gibt es übrigens bei KlickSafe.

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Mit „Bits & Bytes“ erste Programmierkenntnisse erlangen

Spielerisch erste Programmierkenntnisse erlangen, ohne dabei auch nur in die Nähe eines Computers zu müssen – das Spiel „Bits & Bytes“ des britischen Programmierers Andrew Mills macht das möglich.

„Bits & Bytes“ ist ein Kartenspiel, das Grundschülern auf spielerische Art Grundlagenwissen zum Programmieren vermittelt. Um das Spiel zu spielen oder im Unterricht einzusetzen sind keine Programmierkenntnisse erforderlich. Die Kinder spielen ein Kartenspiel und lernen dabei – ganz nebenbei – Computerkonzepte kennen, wie z.B. Algorithmen oder sequentielle Anweisungen . Vor allem aber lernen sie, wie man Probleme lösen kann. Das Spiel hilft ihnen, logische Gedankengänge zu entwickeln, was ihnen wiederum später nützlich sein kann – beim Programmieren genau so wie in vielen anderen Lebenslagen. Andrew Mills hat eine Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo lanciert, damit „Bits & Bytes“ in Produktion gehen kann. Die Kampagne endet am 24. September, das Kampagnenziel ist aber bereits erreicht.  Wir finden den Ansatz von Andrew Mills richtig und sind von „Bits & Bytes“ überzeugt. Deshalb sind wir Unterstützer des Projekts und freuen uns schon jetzt auf unsere Ausgabe des Spiels.

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Programmieren mit fünf

Programmieren in der Schule (Illustration)

„Algorithmen verstehen“ und „einfache Programme entwickeln und debuggen“, ab heute sollen diese Fähigkeiten Schüler in England ab dem fünften Lebensjahr erlernen. Dort gilt seit dem 1. September ein neuer Lehrplan, der das Bildungssystem des Landes zum internationalen Vorbild machen soll – und vielen Lehrern wahrscheinlich schlaflose Nächte bereitet. Der Verband der Lehrer warnte bereits, dass viele Schulen nicht vorbereitet sind.

Aber auch wenn der Wechsel holprig verlaufen sollte, ist er ein notwendiger Schritt für Schulen in das digitale Zeitalter.

Wichtig ist, dass sich die Vermittlung des digitalen Alphabets nicht auf „Coding“ beschränkt. Nicht alle Kinder werden das neue Google oder Facebook programmieren. Aber alle werden künftig ihren Alltag besser bewältigen können und ihre beruflichen Chancen steigern, wenn sie Technologien grundsätzlich verstehen und die kreativen Möglichkeiten kennen. Neue Technologien sind fast immer im Spiel.

Das berücksichtigt auch der neue Lehrplan in England. Die fünf- bis sieben-jährigen lernen nicht nur Software zu programmieren, sondern auch digitale Inhalte zu entwickeln und veröffentlichen und welche Vorsicht geboten ist im Umgang mit den persönlichen Daten.

Well done, England! Und wann zieht Deutschland nach?

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Mein Baby kann auf dem iPhone wischen

Baby iPhone (Illustration)

Die einfache Bedienung von Smartphones und Tablets wird von vielen gelobt. Sogar Kleinkinder kommen damit spielerisch zurecht, was viele Eltern als praktisch empfinden. So freute sich alleine Fisher Price im Jahr 2011 über drei Millionen Downloads von Baby-Apps.

Eltern erzählen sich dann auf dem Spielplatz stolz, dass der Sprössling bereits mit einem Jahr Wischbewegungen beherrscht. Besonders Flinke finden sogar das Lieblingsmusikvideo in der YouTube App.

Aber ist das alles im Kleinkindalter eigentlich sinnvoll?

Eine Studie aus dem Jahr 2012, die die Wirkung von Technologien auf Kleinkinder untersuchte, fand darauf eine klare Antwort:

There’s no evidence that screen time is educational for infants and toddlers, and there is some evidence that it may be harmful. 1

Das bedeutet nun nicht, dass Computer aus dem Haus verbannt werden müssen, sondern bewusst und wohldosiert damit umzugehen. Vielleicht tanzt die Familie das nächste Mal gemeinsam zum YouTube Lied und schiebt das iPad beiseite.

  1. Facing the Screen Dilemma: Young Children, Technology and Early Education, Campaign for a Commercial-Free Childhood and Alliance for Childhood, 2012
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Entzugseinrichtung für internetsüchtige Kinder

Stecker (Illustration)Richtig angewandt bieten neue Technologien Kindern und Jugendlichen ein Meer von Möglichkeiten für eine positive persönliche Entwicklung und Entfaltung. Überlässt man sie aber dabei sich selbst und bietet ihnen die Technologien zum freien Konsum an, kann sich der positive Effekt leicht ins Gegenteil verkehren – schon jetzt stellt die Internetsucht bei Kindern und Jugendlichen ein ernstzunehmendes Problem dar.  Einer Studie zufolge sind in Europa heute bereits gut 1 % der Kinder und Jugendlichen davon betroffen, rund 12% sind zumindest gefährdet. Auch in anderen Regionen der Welt hat man mit dem Problem zu kämpfen – im indischen Delhi wurde gerade das erste „internet de-addiction center“ eröffnet.