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Interview: Expertengruppen in der Grundschule (I)

expertenurkunde
Steffi arbeitet an einer Grundschule und bietet dort eine Expertengruppe an. Ich habe mit ihr darüber gesprochen, weil sie in dieser Gruppe ein wunderbares Beispiel dafür bietet, wie man mit geringem Aufwand und ohne neue Hard- oder Software „Computerunterricht” in bestehende Unterrichtsformen integrieren kann. Schon in der Grundschule.
Weil Steffi viel interessantes zu erzählen hat, habe ich das Gespräch aufgeteilt: Im ersten Teil stellt sie erst einmal das Konzept der Gruppe vor. Später geht es dann noch genauer um die verwendete Software und darum, was für „digitale” Lernziele damit neben den auf den ersten Blick sichtbaren noch vermittelt werden.

Hallo, besten Dank für Deine Zeit. Stell Dich doch erst einmal kurz vor und erzähl, was Du machst!
Ich bin gelernte Sonderpädagogin, arbeite an einer Grundschule und biete dort unter anderem für die vierten Klassen eine Projektgruppe an, in der die Kinder über den Zeitraum eines Schuljahres eine Expertenarbeit zu schreiben. Die Arbeit besteht aus einem Buch – das Thema finden die Schülerinnen und Schüler selbst – und einer Präsentation.
Nach dem Kennenlernen gehört dazu also erst die Ideenfindung, dann die Recherche zum Thema und das Gliedern der gefundenen Informationen. Dazu benutzen wir eine MindMapping-Software.
Wenn die Struktur steht, schreiben die Kinder die Arbeit; dafür nutzen wir ein normales Office-Programm. Und zum Schluss folgt dann noch eine Präsentation: Die TeilnehmerInnen erstellen – ebenfalls mit ganz normaler Office-Software – eine Präsentation, die sie dann vor den anderen Kindern ihres Jahrgangs, Eltern und Lehrern halten.

Das klingt ja spannend. Du hast schon kurz erwähnt, dass Ihr keine besondere Software verwendet. Was benutzt Ihr?
Genau. Zu Beginn bekommen die Kinder einen USB-Stick, wir nennen ihn den „digitalen Rucksack”. Darauf finden sie zum einen einen Ordner mit zwei Programmen: Einem Office-Paket und einem MindMapper. Wir nutzen Libre-Office und die freie Version von XMind, also zwei kostenlose Programme, so dass dort keine Kosten oder Probleme mit Lizenzen entstehen.
In einem zweiten Ordner finden sie ein Word-Dokument, in dem Aufbau und Struktur der Arbeit bereits vorgegeben sind. Elemente wie Einleitung und Schluß oder auch das Literatur-Verzeichnis, an die die Kinder von sich aus zuerst nicht denken sind so vorgegeben und bleiben immer im Blick.
Die Kinder arbeiten direkt in diesem Dokument und haben so ständig die Struktur und offene Punkte vor Augen und das Buch wächst über den Verlauf des Schuljahres.
Ein dritter Ordner dient als Sammelplatz für z.B. gesammelte Bilder, Textstellen und ähnliches, was für Arbeit nötig ist, aber nicht direkt im Buch oder der Präsentation stehen soll.

Wie oft trifft sich die Gruppe? Wie viel arbeiten die Schüler an dem Projekt?
Wir treffen uns einmal die Woche jeweils für eine Doppelstunde im Computerraum der Schule. Außerdem ist eingeplant, dass die Kinder ca. eine Stunde in der Woche außerhalb dieser Gruppenstunden arbeiten.
Unsere Arbeitsweise ist von vorneherein so ausgelegt, dass die Kinder an jedem Computer arbeiten können und nicht an den Computerraum gebunden sind. Egal, ob es der Klassencomputer oder ein Rechner zu Hause ist: Selbst wenn kein Office-Programm installiert ist, haben die Kinder auf dem Stick ja eines, das installiert werden kann. Wir arbeiten mit dem Format .doc, da hat sich gezeigt, dass alle Eltern und alle Computer damit klarkommen.
Und da die Daten auf dem Stick sind, haben die Kinder ihre Arbeit eh immer bei sich. Wir haben auch schon mit GoogleDocs und mit Speicher in der Cloud gearbeitet.

Da kommen wir dann später noch drauf zurück. Wie geht’s mit der Arbeit weiter?
Der Zeitplan ist so, dass immer zu Ostern alle Bücher fertig geschrieben sind, dann gehen noch ein paar Stunden für gemeinschaftliches Formatieren und Überarbeiten drauf. Die restliche Zeit bis zu den Sommerferien arbeiten die Kinder daran, das, was sie über das Jahr über ihr Thema gelernt und erarbeitet haben in einer Präsentation zusammen zu fassen.
Die Präsentationen werden dann meist in der letzten Schulwoche in der Aula vor den anderen Schülerinnen und Schülern des Jahrgangs, den Lehrern und den eingeladenen Eltern gehalten. Wer nicht kommen konnte, findet die Vorträge auch im Internet auf unserer Schul-Website – aber das ist natürlich Luxus und für die eigentliche Projektarbeit zwar schön, aber nicht nötig.

Danke bis hierhin! Ich denke, jetzt haben wir schon eine gute Vorstellung, was die KInder in Deiner Gruppe tun. Im nächsten Teil würde ich dann gerne konkreter um die Software und Deine Erfahrungen mit verschiedenen Lösungen sprechen.
Gerne!

Die anderen Teile des Interviews: Teil 2 | Teil 3

Anmerkung: Steffi ist nicht nur Lehrerin, sondern auch meine Frau. Und an der Konzeption der passenden Software-Konstellation war ich nicht unbeteiligt.

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Code Week Award 2015 – Die Gewinner stehen fest

Logo_SlideInsgesamt zehn Projekte konnten sich beim Code Week Award 2015, der von der Technologiestiftung Berlin in Kooperation mit dem Design Research Lab der Universität der Künste Berlin Ende 2014 zum ersten Mal ausgeschrieben war, Fördergelder in Höhe von 5.000 bzw. 10.000 EUR sichern. Voraussetzung: Ihr Projektkonzept für die Förderung digitaler Skills bei Kindern- und Jugendlichen konnte die hochkarätige Jury überzeugen. Am 31. Januar wurden die zehn Gewinnerprojekte bekanntgegeben, die allesamt zwischen März und September dieses Jahres durchgeführt werden. Wir gratulieren den Gewinnerprojekten und freuen uns auf spannende Eventberichte.

 

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Nicht nur zur Weihnachtszeit: ‚Made with code‘ will Mädchen zum Programmieren bringen

madewithcodewebAuch wenn sich in den letzten Jahren sicher schon viel in die richtige Richtung bewegt hat, sind Frauen unter den Entwicklern weltweit weiterhin unterrepräsentiert. Hier setzt „Made with Code“ an, das Mädchen inspirieren will, sich stärker für das Programmieren zu interessieren. Die Schirmherrschaft über die Initiative hat der Tech-Gigant Google, der das „Made with Code“ zusammen mit namhaften Partnern (u.a. dem MIT Media Lab und TechCrunch) Mitte des Jahres ins Leben gerufen hat.

„Made with Code“ bietet auf seiner Webseite verschiedene kleine Programmierprojekte an, die sich an den Interessen junger Mädchen orientieren. Sie lernen dort z.B. einen Avatar zu programmieren, einen Selfie-Styler zu bauen oder ein Gif zu animieren. Zusätzlich unterstützt die Initiative andere Programme, die Mädchen an das Programmieren heran führen mit einem Topf von 50 Millionen US-Dollar.

Für die Weihnachtszeit hat sich Google für „Made with Code“ nun ein ganz besonderes Projekt ausgedacht: Bei „Holiday Lights“ können die Mädchen (und natürlich jeder andere, der teilnehmen möchte) die Beleuchtung der 56 Weihnachtsbäume rund um das Weiße Haus programmieren. Mehr als 300.000 Lichtkünstler haben bereits ihre Beleuchtungsidee realisiert und bis zum Ende der Weihnachtsfeiertage bleibt das Projekt noch offen. Die schöne Initiative „Made with Code“ geht auch nach den Weihnachtstagen mit ungebremster Energie weiter. Wünschenswert bleibt indes, dass sich solche Initiativen nicht nur auf den englischen Sprachraum beschränken. Auch hier bei uns sollte man viel mehr Mädchen mit kreativen Konzepten an Programmierung und Technologie heranführen.

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Digitalführerschein für Eltern: Das ‚Good Digital Parenting‘ Portal

Das 2007 gegründete Family Online Safety Institute ist eine gemeinnützige internationale Einrichtung mit Sitz in Washington, DC, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Online-Welt für Kinder und deren Familien sicherer zu machen. Zu diesem Zweck bringt FOSI Vertreter aus Industrie, Regierung und den Nonprofit-Sektor zusammen, um gemeinsam neue Strategien und innovative Lösungen im Bereich der Online-Sicherheit zu entwickeln. Anfang November erschien der aktuelle „Parenting in the Digital Age„-Report, in dem es im Schwerpunkt um Nutzen und Gefahren von digitalen Medien und Technologien aus Sicht der (US-amerikanischen) Eltern geht.

Mit der gerade gestarteten Initiative „Good Digital Parenting“ will FOSI Eltern in die Lage versetzen, ihre Kinder gut und sehend durch die digitale Welt zu begleiten. Auf der Website gibt es dazu verschiedenen Hilfsmittel, die auch nach Altersstufe der Kinder gefiltert werden können. Besonders spannend sind die Tip Sheets zu einzelnen Plattformen, die das wesentliche Wissen für Eltern kurz und knapp aufbereiten. Über Minecraft können sich die Eltern hier genau so aufschlauen wie über facebook, Snapchat oder Twitter (und vieles mehr).

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Zudem gibt es zahlreiche aktuelle Blogartikel und Videos. Ein tolles Angebot, das sicher nicht im Sande verlaufen wird. Denn: Die Initiative vereinigt prominente Unterstützer hinter sich, unter ihnen Google, Facebook und Microsoft.

Einziger Wermutstropfen: GDP fokussiert stark auf die amerikanische Erziehungs- und Digitallandschaft, die unserer hier nicht unbedingt in allen Punkten entspricht. Die Blogposts, Videos und Tools sind zudem entsprechend auf Englisch verfasst.  Wer sich davon aber nicht weiter stören lässt, wird hier sicher eine gute Hilfestellung finden, um ein echter „Digital Parent“ zu werden. Und wenn dennoch Fragen offen bleiben, ist Bits-N-Kids ja auch noch da 😉

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Roberta öffnet sich

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Hinter dem Namen „Roberta – Lernen mit Robotern“ verbirgt sich eine Initiative des Fraunhofer-Instituts IAIS, die bereits seit einigen Jahren Schülerinnen und Schüler in die Welt der Robotik entführt und sie damit an naturwissenschaftlich-technische und ingenieurwissenschaftliche Studiengänge heran führen will. „Roberta“ erreichte bislang pro Jahr mehr als 30.000 Jugendliche und es gibt schon über 1000 zertifizierte „Roberta“-Lehrer. In Kürze tritt das Projekt „Roberta“ nun in die nächste Phase ein: Zusammen mit Google entwickelte das Fraunhofer-Institut IAIS nun „Open Roberta“, eine offene Programmierplattform für Kinder, Jugendliche und Lehrkräfte. Kick-off für „Open Roberta“ ist am 4. November und wir dürfen gespannt sein, ob sich mit „Open Roberta“ die Erfolgsgeschichte von „Roberta“ fortsetzen wird.

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„Dann muss man das halt selber machen“: Die Hamburger Hacker School

Children and Code (illustration)

Wenn der Prophet nicht zum Berg kommen will, dann muss sich der Berg eben die Mühe machen, zum Propheten zu laufen. Das dachten sich wohl auch David Cummins, Andreas Ollmann und Timm Peters als der Hamburger Schulsenator klar machte, dass Informatik in Hamburger Stadtteilschulen weiterhin nicht zum Pflichtfach würde. Die drei Namen kurzerhand das Heft selbst in die Hand und gründeten die Hamburger Hacker School.  Das Motto der Schule:

Die Hacker School will Jugendliche für das Programmieren begeistern und Talente entdecken und bei der Entfaltung unterstützen, die sonst verborgen blieben.

In der Septemberausgabe mit dem Schwerpunkt Arbeit hat sich brand eins mit den Gründern der Hacker School unterhalten und die Schule von der ersten abstrakten Idee bis zum konkreten Kursinhalt in einem lesenswerten Artikel portraitiert.

Der Erfolg der Hacker School gibt ihren Gründen recht: Andere Städte planen schon eigenständige Ableger. Und das scheint auch dringend notwendig zu sein: Denn daran, dass der Spirit der Hacker School endlich auch in die deutschen Lehrpläne einzieht, wollen weder deren Gründer noch die Autoren des brand eins Artikels so recht glauben:

Das Fach Informatik hat in Deutschland keinen Stellenwert. Wenn Schüler Computerkenntnisse besitzen, dann nicht wegen, sondern trotz Schule.

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Kinderzeichnungen lernen leben

Mit einer besonderen Idee hat der Japaner Akitae Matsumoto vergangene Woche in Tokyo die Kinderherzen höher schlagen lassen: In einer Installation hat er ihren Zeichnungen Leben eingehaucht. Inspiriert vom übermäßigen Smartphone-Gebrauch seiner eigenen Kinder, versucht Matsumoto mit seiner Installation eine Vision des „Spielplatzes der Zukunft“ zu zeigen, in der physisches Spiel und Interaktion in der digitalen Welt miteinander Hand in Hand gehen. Kindliche Fähigkeiten wie Kreativität und Innovationskraft stehen dabei im Fokus.

The education of the future is more than rote learning. It is about building new things. This comes from being creative and collaborating. I want to provide this sort of stimulation to the kids and with any luck, I hope they will feel it.“
— Akitae Matsumoto

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Es wird nicht nur in dunklen Räumen programmiert

Jungen Menschen die gestalterischen Möglichkeiten von Technologien zu vermitteln, ist nicht die einzige Herausforderung unserer Zeit. Eine andere ist, Mädchen bewusst zu machen, dass Programmieren nicht nur männlichen Nerds in dunklen Räumen Spaß machen kann. Das versucht Reshma Saujani mit „Girls Who Code“ seit zwei Jahren. Mit Erfolg:

Launched in 2012, Girls Who Code’s summer program has grown from 20 girls in one classroom to 380 girls in classrooms at 16 companies across the country. Founder Reshma Saujani says she’s determined to reach 1 million girls by 2020. „I want to give girls the opportunity to be the next Mark Zuckerberg,“ she said.

Was die Mädchen in diesen Programmen vorfinden, hat wenig mit finsteren Kelleratmosphären zu tun:

Like many of the girls in the summer program, Samantha Baker, 16, is delighted in the free gourmet meals in Facebook cafes, the friendly engineers who acted as mentors and the wide array of fun activities. She says she was surprised to learn that tech workers don’t spend long solitary hours pounding on keyboards in darkened rooms.

Manchmal sind die Dinge anders, als sie scheinen.

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Jeder kann programmieren

„Start Coding – Jeder kann programmieren“ ist der Name einer Initiative die jüngst unter anderem von Thomas Bendig, dem Geschäftsführer des Fraunhofer-Verbundes IUK-Technologie und vom Wissenschaftsjournalisten Rangar Yogeshwar aus der Taufe gehoben wurde. Ziel ist es – ähnlich wie bei der 2013 gegründeten amerikanischen Initiative code.org, einer breiten Bevölkerungsschicht die Faszination des Programmierens zu vermitteln.

Im Interview mit der FAZ erklärt Bendig 1

Es geht darum, die Faszination zu vermitteln. Man muss alte Klischees und Hürden überwinden. Wir zeigen, dass IT-Experten äußerst kreativ sein können und dass sie einige der größten Innovationen der letzten dreißig Jahre hervorgebracht haben. Die Leute sollen erkennen, dass man mit IT-Wissen die digitale Gesellschaft mitgestalten kann.

Das Projekt sucht noch Unterstützung in Unternehmenskreisen, so Ranga Yogeshwar:

Code.org hat in den Vereinigten Staaten in einem Jahr zehn Millionen Dollar an Unterstützung erhalten und arbeitet inzwischen mit einem Team mit vierzehn Festangestellten und 36 freiberuflichen Mitarbeitern an dem Projekt. Auch deutsche Unternehmen müssen erkennen, dass diese Initiative eine Investition in die Zukunft unseres Landes ist. Wir wollen eine breite Bewegung auf die Beine stellen, und das geht nicht nur mit reinem Idealismus.