Education is no longer about learning facts. Facts are at our fingertips at all times. Learning is now about quickly sourcing reliable information, creative problem solving, logical thinking, self-management and mental flexibility.

— Grant Hosford, CEO at CodeSpark in The Huffington Post

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Lüge der Lüge der Digitalen Bildung?

Die Schule soll also zu einer digitalfreien Oase bis zum 12. Lebensjahr werden. Das fordern Gerald Lembke und Ingo Leipner mit ihrer provokante Aussage, die bereits an manchen Ecken des Web scharf kritisiert wurde. Gerald Lembke ist Professor für digitale Medien und sein Co-Autor Ingo Leipner ist diplomierter Volkswirt.

Ich will mir nun selbst ein Bild machen und nehme die 200 Seiten in Angriff. Die Bloggerin Katja Reim hat sie bereits hinter sich. Sie wollte es aber genauer wissen und stellte Lemke noch ein paar Zusatzfragen. Sie interessierte sich vor allem dafür, ob der Autor Lembke auch nach den Grundsätzen handelt, die er predigt.

Er gibt zu:

„Ich hatte bis vor 1,5 Jahren zu Hause mehrere iPads und Laptops herumliegen, natürlich auch die obligatorischen Smartphones“.

Dann kam die Einsicht und seither hat er nur noch einen Laptop, ein „Tablet für Reisen“  und ein Smartphone. Es bleibt zu hoffen, dass seine sechsjährige Tochter das iPad nicht als „Tablet für Zuhause“ nutzt. Radikale Veränderungen klingen anders.

Aber die Einsicht zeigte bei ihm offenbar Wirkung:

„Statt dessen bin ich täglich (sofern es meine Zeit zulässt) mindestens eine Stunde mit meiner Kleinen bei Wind und Wetter draußen, wir toben, machen Faxen und Blödsinn. Anschließend weichen alle bequemorientierten Bedürfnisse wie Medienkonsum auf beiden Seiten der körperlichen Erschöpfung und gemeinsamen Freude.“

Entweder Natur oder Digitalität also. Warum kann man aber wie so oft nicht das eine tun, ohne das andere zu lassen? Wenn wir mit unserem Sohn die Wildschweine im Wildpark besuchen und er die Eindrücke mit seiner Digicam festhält, haben wir Natur und Digitalität. Obendrein nutzt er die Technologie aktiv, anstatt sich nur passiv berieseln zu lassen.

An diesem Punkt sind wir uns einig:

„Sinn muss es sein, Digitalität als Werkzeug und Hilfsmittel gezielt und kontrolliert einzusetzen.“

Ich bin gespannt auf die Lektüre. Über meine Eindrücke werde ich hier im Blog berichten.

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Buchkritik zu „Neue Intelligenz“

Seit 2014 absolviere ich ein Studium der Medienpädagogik an der FH Köln. Im Rahmen einer Studienarbeit, beschäftigte ich mich mit dem Buch „Neue Intelligenz“ von Steven Johnson (238 Seiten, Kiepenheuer & Witsch, 2006).

Neue Intelligenz

Computerspiele machen dumm. Das ist die landläufige Meinung. Aber stimmt sie wirklich? Steven Johnson vertritt eine andere Meinung. In „Neue Intelligenz“ geht Steven Johnson auf direkten Konfrontationskurs. Detailliert beschreibt er, wie Medien über die letzten dreißig Jahre immer anspruchsvoller wurden; ein Trend, den er „Schläferkurve” nennt – inspiriert durch einen Dialog aus dem Film Sleeper von Woody Allen. Damit nicht genug: Die zunehmende Komplexität dieser Popkultur – er zählt Computerspiele, Fernsehen, das World Wide Web sowie Filme dazu -, soll sich sogar positiv auf unseren Verstand auswirken. Massenunterhaltung macht uns also klüger, will Johnson uns weismachen.

Massenunterhaltung wird immer komplexer

Seine detaillierte Beobachtung beginnt er bei den Computerspielen. In ihnen winken den Spielern überall Belohnungen. Nicht immer sofort, manchmal sind sie auch versteckt. Weil die Spieler das wissen, suchen und erkunden sie die digitale Welt. Die Aussicht auf Belohnung reicht, um die Spieler anzutreiben. Das ist praktisch, denn so lassen sich etwa Kinder auf Komplexitäten ein, die sie besonders herausfordern. Johnson sieht in Computerspielen noch weitere Vorteile. Spieler müssen verborgene Wege und Möglichkeiten erkunden, die ihre Kreativität fordern. Dabei entwickeln sie „Hypothesen über den Nutzen und Sinn einer Sache“. Ein Werkzeug könnte für die Lösung eines Problems geeignet sein. Der Spieler wird seine Hypothesen prüfen und unter Umständen seine Schlüsse korrigieren. Aus Johnsons Sicht gleicht das dem Vorgehen wissenschaftlichen Arbeitens.

Außerdem müssen in Computerspielen laufend unübersichtliche Informationen geordnet werden, um Entscheidungen zu treffen.Und auf den Entdeckungsreisen lernen die Spieler ständig neue Regeln. Das war vielleicht in Zeiten von Tetris noch nicht so, aber die Computerspiele wurden über die Jahre immer ausgeklügelter und anspruchsvoller.

Neben Computerspielen analysiert er auch Fernsehsendungen. Bei den Sopranos oder bei 24 muss sich der Zuschauer durch verschachtelte Erzählstränge hangeln und komplizierte Beziehungsverhältnisse durchschauen. Oft werden auch bewusst Informationslücken eingebaut. Er weist darauf hin, dass viele Sequenzen bei den Simpsons mindestens einen Witz enthalten, der nur funktioniert, wenn der Zuschauer die relevanten Zusatzinformationen selbst einfügt.“ Lean-back funktioniert da nicht, denn diese Sendungen und Reality-Shows verlangen den Zuschauern viel ab.

Für das World Wide Web findet Johnson ebenfalls spezifische positive Zuschreibungen. Weil sich das Internet ständig weiterentwickelt, können die Nutzer es immer wieder neu entdecken. Es lädt uns mit der Entwicklung von Blog-Software auch zur aktiven Teilnahme ein. Das Internet ist eine Projektionsfläche jedes Einzelnen, um Ideen, Meinungen und Identitäten zu präsentieren. Nicht zuletzt ist das Internet für Johnson auch ein Ort des Austausches, was in der heutigen Omnipräsenz von Facebook niemanden überraschen wird. Diese Umgangsformen im Medium Internet trainieren unsere Fähigkeit, komplexe Systeme zu durchdringen sowie unsere soziale Kompetenz.

Die verschiedenen Formen eint also, dass sie immer komplexer werden. Aber:

Werden wir deshalb wirklich klüger?

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Minecraft: Ein Computerspiel für jedes Alter?

Seit 2014 absolviere ich ein Studium der Medienpädagogik an der FH Köln. Im Rahmen einer Studienarbeit, beschäftige ich mich mit dem Computerspiel „Minecraft“ und der Frage, wie das Spiel nach den Kriterien der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle zu bewerten ist.Minecraft

19.95 Euro für den Minecraft Download sind überwiesen. Es kann losgehen! Ich habe mich für den Survival Modus entschieden. Das bedeutet, dass ich Materialien sammeln muss.

Da stehe ich nun in einer Landschaft aus merkwürdig grobkantigen Steinen in verschiedenen Farben. Sie haben alle dieselbe Größe. Nach weiteren Spielversuchen stelle ich fest, dass die Landschaften zufällig angelegt werden, wenn man eine neue Welt startet.

Eine Anleitung habe ich nirgends gesehen. Aber die wichtigsten Tastaturbelegungen hat man rasch selbst herausgefunden. Drehen, bewegen, hüpfen und zuschlagen. Das reicht, um den ersten Baum kurz und klein zu schlagen und Holz zu sammeln. Damit kann man schon die ersten Werkzeuge bauen. Zum Beispiel einen Pickel, mit dem Stein abgetragen werden kann. Die gesammelten Materialien können nicht nur zu neuen Werkzeugen kombiniert werden, sie dienen auch zum Bauen. Mit dem gesammelten Gehölz baue ich einen Unterschlupf. Es wird nämlich schon dunkel und schon bald schleichen ungemütliche Kreaturen durch die Gegend. Sie jagen mich. Wer sich erwischen lässt, verliert ein Spielleben und wird an einer anderen Stelle wieder ausgespuckt.

Ich überlebe die erste Nacht. Die Sonne geht wieder auf und ich komme aus meinem Unterschlupf hervor. Es geht weiter: Entdecken, sammeln, Werkzeuge basteln. Frei wie es mir gefällt. Ein Ziel gibt es nicht. Ein Ende auch nicht. Dafür gibt es unendlich viele Möglichkeiten, einzigartige Welten zu gestalten. Im Grunde der Traum eines jeden Abenteurers!

Es ist die Grenzenlosigkeit, die die Faszination von Minecraft ausmacht. Kinder können ihre Kreativität ausleben und spielen oft stundenlang. Für viele Eltern ist das ein Rätsel. Sie fragen sich, ist Minecraft eigentlich sinnvoll? Gibt es auch Gefahren für Kinder?

Ich möchte mich erst mit der Frage der Beeinträchtigungen befassen. Dafür orientiere ich mich an den Kriterien der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle, die alle Computerspiele bewertet, die auf Rohlinge gepresst sind. Dabei untersucht sie, ob die Games für Kinder verschiedenen Alters unbedenklich sind. Bedenklich ist ein Spiel, wenn es als Ganzes oder in einzelnen Elemente für Kinder oder Jugendliche beeinträchtigend wirkt, weil sie nicht mehr zwischen virtueller und realer Welt unterscheiden können. Die USK vergibt nach der Bewertung Kennzeichen. Diese sagen allerdings nichts darüber aus, ob die Spiele von den Kindern beherrschbar oder gar pädagogisch sinnvoll sind.

Da Minecraft dank Modifications (Mods) und Multiplayer Modi auch im Setting schier grenzenlos ist, schränke ich die Prüfung ein. Ich berücksichtige weder Mods, noch Möglichkeiten im Spiel mit anderen. Zudem bezieht sich mein Check auf die online Version von Minecraft für Mac. Die USK prüft keine online Varianten, weil sie dafür nicht zuständig ist. Meine Bewertung orientiert sich an der USK, weil der Kriterienkatalog ein hilfreicher Bewertungsrahmen darstellt.

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Parenting, as is often said, involves giving kids wings to fly and roots on which to stand. Parenting in the digital age can only be more so. The only path ahead involves conscientious and conscious participation, rather than outright techno phobia or philia, to provide an inclusive life where the parents join children and schools in balanced technological engagement that does not compromise on the ability of society in general, to stop and smell the roses.

— Suren Ramasubbu in der Huffington Post über das Elternsein im digitalen Zeitalter

Medienkompetenz sollte ein Pflichtfach in der Schule werden wie Englisch oder Deutsch. Grundzüge der Programmierung sollte jeder Schüler lernen. Es kommt darauf an, ob ich mich vom Computer und Konzernen wie Apple dirigieren lasse oder nicht. Der digitale Analphabet wird in allen Lebensbereichen benachteiligt sein.

Daniel Domscheit-Berg im Interview mit Allgemeine-Zeitung.de

Wir haben heute die Situation, dass auf die Menschen viele Millionen parallele Informationskanäle einströmen, und wir müssen den Leuten ein Handwerkszeug geben, wie sie damit umgehen können. Dieses Handwerkzeug kann nicht noch mehr Technik sein, sondern es muss ein analytischer Verstand sein.

— Hans Zeger, österreichischer Datenschutzerxperte in der Kronenzeitung

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Programmierkenntnisse sind nur ein Puzzleteil

bitsnkids_teilnahmeerklaerung-2In einer Lebensrealität, in der wir selbst uns das Zurechtkommen ohne digitale Hilfsmittel oft kaum noch vorstellen können, ist es sicher alles andere als dumm, auch unsere Kinder frühzeitig an den sinnvollen Umgang mit den vorhandenen Technologien heranzuführen. Und weil wir uns selbst vielleicht nicht zutrauen, die Vermittlerrolle zwischen Kind und Technik zu übernehmen, ist es naheliegend, hier auf die Schulen zu vertrauen (theoretisch, versteht sich). Man könnte doch eigentlich auch hierzulande das Programmieren zum Pflichtfach erheben und der Drops wäre auf charmante Art gelutscht. Und ganz nebenbei würden die Kids auch gleich für den zukünftigen Arbeitsmarkt aufgemöbelt. Soweit die Theorie.

Zwar entspricht es durchaus den Gepflogenheiten im Kultusbetrieb, bei akutem Bedarf einfach mal ein Fach dazu nehmen – wie seinerzeit schon Hauswirtschaftslehre, Ethik oder Pädagogik – , aber im Umgang mit zeitgemäßen Technologien will die Einführung von „Programmierstunden für alle“ so gar nicht zeitgemäß erscheinen. Denn viel zeitgemäßer wäre es doch eigentlich, die Kinder im Unterricht gemäß ihre Interessen und Neigungen zu fördern (vielleicht auch mithilfe von technischer Infrastruktur, wie sie ein Teach to one Ansatz vorsieht)? Und Programmieren ist genauso wenig jederkinds Sache wie Latein und das weder akut noch perspektivisch.

Hinzu kommt, dass es gerade auch im Hinblick auf die Unwägbarkeiten und Gefahren, die die digitale Welt ebenso wie die analoge mit sich bringen kann, viel essentieller erscheint, den Kindern den Rahmen, in dem sie sich bewegen ganz grundlegend zu erklären. Also: Wie sind die technischen Abläufe? Welche Daten werden generiert und was passiert mit ihnen? Wie funktionieren welche Algorithmen? Welche Spuren hinterlässt jeder Einzelne und womit, etc.?

Ein Schuh kann dann daraus werden, wenn der Umgang mit zeitgemäßer Technologie über ordentliche Ausbildung der Lehrer und ordentliche Ausstattung der Schulen zum Basis-Setup für den gesamten Unterricht wird und zwar über alle Fächer hinweg. Was spräche denn dagegen, wenn Vokabeltraining im Klassenraum auf individuellem Niveau mit Hilfe von Apps stattfinden würde und die Lehrkraft im Bedarfsfall als helfende Hand einschreitet? Oder wenn digitale Fotobearbeitung und Filmschnitt im Kunstunterricht genau so anzutreffen wären wie Linolplatten und Ölfarben? Technologischer Sachverstand muss für kommenden Generationen zum Selbstverständnis werden. Programmierkenntnisse sind im Gesamtkonstrukt allenfalls EIN Puzzleteil.

Ich fordere ein Schulfach Computing. Und zwar für alle Jahrgangsstufen. Verpflichtend. Ein Schulfach, in dem Kindern beigebracht wird, wie sie mit digitalen Werkzeugen arbeiten, wie sie im Internet recherchieren, wie sie kommunizieren und wie sie eigene Programme entwickeln. Nur so werden Kinder fit gemacht für die Zukunft. Wir müssen sie in die Lage versetzen, ihre Umwelt zu gestalten und nicht nur passiv daran teilzunehmen.

— Nico Lumma, Blogger, dreifach-Vater & Co-Vorsitzender des Vereins D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt in seinem Artikel „Nutzt digitale Chancen!“ auf vorwaerts.de

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Hausgemachte Digitalkompetenz

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Auf die Schulen können wir uns also nicht verlassen, wenn wir unseren Nachwuchs gut auf den Umgang mit digitalen Medien vorbereitet wissen wollen. Es hat vielmehr den Anschein, als herrschte in vielen Lehrerzimmer geradezu panische Angst vor Digitalien aller Art. Kurse und Workshops von privaten Anbietern sind da zwar schon vielversprechender, dennoch findet dort die Digitalerziehung auch nur punktuell statt. Ist der Kurs vorbei, liegt sie bis zum nächsten meist brach.

Eltern, die sich selbst für innovative Technologien und digitale Medien begeistern können, nehmen daher lieber persönlich das Heft in die Hand und übernehmen das Medienkompetenztraining ihrer Sprösslinge gleich selbst. Da ist zum Beispiel Katja, die in ihrem Blog Mein Computerkind erzählt, wie sie ihre kleine Tochter digital alphabetisiert und ihr gleichzeitig beibringt, sich selbst in der digitalen Welt zu schützen. Oder Maximilian, der gemeinsam mit seinem Sohn I Elektrospielzeug entdeckt und u.a. auch darüber bloggt. Beiden ist dabei gemein, dass sie Technologie weder überhöhen noch verteufeln, sondern sie als selbstverständlichen Bestandteil in ihren ganz normalen Wahnsinnsalltag integrieren.

Auch Eltern, die nicht von Haus aus Tech-affin sind, täten übrigens gut daran, dem Beispiel der Beiden im eigenen Interesse und im Interesse ihrer Kinder zu folgen und die Digitalkompetenz sinnvoll in ihren Familienalltag integrieren. Denn nur wenn sie das tun, werden sie bald begreifen, dass der grimmig anmutende Scheinriese Technologie in Wirklichkeit sehr oft nur ein freundlicher alter Herr mit geflochtenem weißen Bart ist.